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„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“
Berliner Mauer (Foto: Michael Königs)
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„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“

Walter Ulbricht, der Staatsratsvorsitzende der DDR, nahm in Ostberlin am 15. Juni 1961 an einer internationalen Pressekonferenz teil.

Eine Journalistin aus Frankfurt am Main stellte die Frage, ob die DDR-Regierung den Bau einer Mauer plane? Der Hintergrund war der: Ca. 300 DDR-Bürger, unter ihnen zahlreiche Ärzte, Ingenieure und Facharbeiter, flüchteten täglich von Ostberlin in den Westteil der Stadt.

Walter Ulbricht, der während des Zweiten Weltkriegs in Moskau gelebt hatte und als treuer Anhänger von Stalin galt, beantwortete die Frage mit: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“. Diese Aussage war eine Lüge! Am 13. August 1961, heute vor 65 Jahren, riegelte die DDR-Regierung den Ostteil der Stadt von Westberlin ab. Anfangs nur mit Stacheldraht, Grenztruppen und ausgebildeten Hunden. Nach und nach ersetzten die Kommunisten den Stacheldraht durch Mauersegmente.

Mauersegment vom Wilhelmsruher Damm in Reinickendorf. Zu sehen in Recklinghausen in der Charlottenburger Straße (Foto: Volker Neef)

Am 11. November 1989 verlor die Berliner Mauer ihre Schreckenskraft. Die Bevölkerung der DDR öffnete friedlich die Mauer.

Es gehört auch zur traurigen Wahrheit: Mindestens 140 Menschen sind an der Berliner Mauer ums Leben gekommen. Ebenso gehört es auch zur traurigen Wahrheit: Die Mauerschützen beriefen sich in Prozessen nach der Wiedervereinigung darauf, nur Befehle ausgeführt zu haben. Die Unterzeichner der Befehle und die Auftraggeber des Mauerbaus wurden, wenn überhaupt, nur mit geringen Haftstrafen versehen. Der spätere Staatsratsvorsitzende der DDR, Erich Honecker war der Koordinator des Mauerbaus in seiner Funktion 1961 als Sekretär des Zentralkomitees der SED. Er durfte erleben, was eine demokratisch aufgebaute Justiz ist! Wegen seiner Verantwortung für Menschenrechtsverletzungen stand er 1992 vor dem Kammergericht Berlin-Moabit als Angeklagter. Aufgrund seines hohen Alters (80) und seiner Krankheiten stellte die Justiz das Verfahren ein. Einsicht hatte Honecker, der in der Nazizeit auch in Moskau gelebt hatte, nie gezeigt! Er hatte gleich am Anfang seiner Verhaftung Verfassungsbeschwerde gegen seinen Prozess eingelegt.

Informationstafel zur Berliner Mauer. Zu sehen in Recklinghausen in der Charlottenburger Straße (Foto: Volker Neef)

Die Angehörigen der Mauertoten mussten erdulden, dass der Tod ihrer Familienangehörigen an der Berliner Mauer Seitens der Auftraggeber des Mauerbaus und des Schießbefehls sozusagen fast folgenlos blieb. Parallelen zu Prozessen nach dem Zweiten Weltkrieg zeigten sich. KZ-Wärter, teilnehmende Wehrmachtssoldaten an Erschießungskommandos und Nazirichter beriefen sich auch auf erhaltene Befehle!

Text: Volker Neef

Fotos: Michael Königs; Volker Neef

VO
Volker Neef
Redaktion HauptstadtEcho
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