Die Regierung von Aserbaidschan gründete im Jahre 2008 den „Baku-Prozess“. Er hat sich als Plattform weltweit etabliert, die den interkulturellen Dialog und internationale Initiativen stärkt.
Seit 2011 findet das Weltforum für Interkulturellen Dialog (World Forum on Intercultural Dialogue – WFID), die Leitveranstaltung des Baku-Prozesses, alle zwei Jahre in Partnerschaft mit internationalen Organisationen statt. Dazu zählten bereits die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO), die Allianz der Zivilisationen der Vereinten Nationen (UNAOC), der Europarat, die Islamische Weltorganisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (ICESCO) sowie die Welttourismusorganisation (UNWTO). In den bisherigen sechs Foren kamen mehr als 10.000 Teilnehmer zusammen. Das nächste Forum findet vom 27. bis 29. Oktober 2026 in der Hauptstadt Baku statt.

Am 8. Juli informierte im aserbaidschanischen Kulturinstitut in Berlin-Tiergarten Seine Exzellenz, der Botschafter Aserbaidschans in Deutschland, Herr Nasimi Aghayev, internationale Medienvertreter über das im Oktober stattfindende nächste Forum. Isa Mammadov, der Leiter des Aserbaidschanischen Kulturzentrums, freute sich zusammen mit dem Botschafter über die große Resonanz der Pressevertreter. Die Moderation lag in den bewährten Händen von Ewald König. Ebenso sprach Aiman Mazyek zu den Medienvertretern. Er war von 2010 bis 2024 Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland e. V. (ZMD).

Der Botschafter betonte, in Aserbaidschan werden alle Religionen gleichbehandelt. Keine werde bevorzugt, es werde auch keine benachteiligt. Das Christentum habe man schon 1313 als Staatsreligion anerkannt. Vor über 2.000 Jahren siedelten sich Juden auf dem heute zu Aserbaidschan gehörenden Territorium an. In der größten Moschee des Landes gibt es eine friedliche Strömung unter den Sunniten und Schiiten. Jeden Freitag findet das Gebet im Wechsel statt. Mal predigt in der Moschee in Baku ein schiitischer Imam, in der darauffolgenden Woche ist es ein sunnitischer. In Aserbaidschan sind Staat und Religion strikt getrennt. Zuschüsse des Staates hingegen bekommen alle Religionsgemeinschaften. So hat die Regierung erst kürzlich der Katholischen Kirche ein zweites Grundstück geschenkt. Dort wird eine weitere katholische Kirche erbaut. Bereits beim Besuch von Papst Johannes Paul II., im Amt von 1978 bis 2005, schenkte Aserbaidschan dem Stellevertreter Christi ein Grundstück in Baku. Dort befindet sich jetzt bereits eine katholische Kirche. Der Botschafter sagte: „Es ist mehr als Toleranz, wenn es in Aserbaidschan um die Religion geht. Es geht um eine andere Stufe, es geht um Respekt und Anerkennung. Man lebt in Aserbaidschan Multikulti“. Pietisten aus dem Schwabenland siedelten sich vor über 200 Jahren in Aserbaidschan an. Mit Helendorf sowie Annadorf gründeten sie einen neue Orte. In Schwaben hatte man diese sehr frommen evangelischen Christen selbst innerhalb der evangelischen Kirche nicht toleriert. In Aserbaidschan fanden die Pietisten eine neue und ihnen wohlgesonnene Heimat.

Aiman Mazyek sagte: „Ich hatte schon mehrfach die Ehre und das Vergnügen, das Land dienstlich besuchen zu dürfen. Der interreligiöse Dialog wird in Aserbaidschan großgeschrieben. Es war für mich ein beindruckendes Erlebnis, dass die vielen Rechtsschulen des Islams friedlich zusammenleben. Das ist nicht selbstverständlich in vielen Teilen der Welt. Das aserbaidschanische Model ist keine Schaufensterpolitik! Die friedliche Toleranz zwischen den Religionen wird dort gelebt“. Er wies auf die vielen Potentiale des Landes hin. „Hoffentlich wird aus der Seidenstraße bald eine Friedensstraße. Das ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“. Aiman Mazyek nannte „das Forum in Baku einen großen Verdienst“.
Der Botschafter machte auch darauf aufmerksam, dass man nunmehr mit seinem Nachbarn Armenien in Frieden lebe. „Das Kapitel des Konfliktes ist für uns endgültig geschlossen worden“. In Washington hat man 2025 das Friedensabkommen ratifiziert. „Wir exportieren jetzt sogar Benzin und Diesel nach Armenien. Alle Transitbeschränkungen sind aufgehoben. Ohne Vermittler haben wir mittlerweile sehr gute Kontakte erreicht“.
Das 7. Forum in Baku wird sich garantiert wieder zu einem Treffen vieler Staatsoberhäupter und Minister aus aller Welt entwickeln. Beim 6. Treffen in Baku im Jahre 2024 konnte der aserbaidschanische Staatspräsident aus 110 Ländern hochkarätige Vertreter begrüßen.
Text: Volker Neef
Foto: Frank Pfuhl