Am 17. Juni 1953 erhoben sich zahlreiche Arbeiter in Ostberlin und anderen Städten der DDR gegen Normenerhöhungen und Einschränkungen von demokratischen Grundrechten. Die DDR-Oberen unter dem damaligen Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht und Stasi-Minister Erich Mielke nahmen auf Einwände der Arbeiter keine Rücksicht und peitschten ihre neuen Verordnungen durch.

Zahlreiche Arbeiter wurden von Soldaten der Roten Armee, die mit Panzern den Aufstand bekämpften, erschossen. Andere Arbeiter verschwanden für viele Jahre in Straflagern in Sibirien. Eine dritte Gruppe von Arbeitnehmern mussten jahrelange berufliche Nachteile in Kauf nehmen, nur weil sie friedlich an Arbeitsniederlegungen beteiligt gewesen waren.

Mit einer Kranzniederlegung am Mahnmal an der Berliner Straße in Tegel haben das Bezirksamt und die Bezirksverordnetenversammlung Reinickendorf am 17. Juni 2026 an die Opfer des Volksaufstandes in der DDR erinnert.

Gemeinsam mit zahlreichen Gästen gedachten Reinickendorfs Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) und der Landrat des Landkreises Oberhavel, Alexander Tönnies (SPD), der mutigen Frauen und Männer, die am 17. Juni 1953 für Freiheit, Demokratie und menschenwürdige Lebensbedingungen auf die Straße gegangen waren. Der Gedenkort in Tegel besitzt dabei eine besondere historische Bedeutung. Am Morgen des 17. Juni 1953 zogen rund 8.000 Stahlarbeiter aus Hennigsdorf über die Berliner Straße, um sich den Protesten in Ostberlin anzuschließen. Sie forderten freie Wahlen, die Einheit Deutschlands und vor allem Freiheit.
In ihrer Ansprache würdigte Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner den Mut der Aufständischen und betonte die bleibende Aktualität ihres Vermächtnisses: „Der 17. Juni 1953 ist ein Meilenstein der deutschen Freiheitsgeschichte. Die Menschen, die damals gegen Unterdrückung und Unfreiheit aufstanden, handelten aus der tiefen Überzeugung heraus, dass Freiheit und Menschenwürde nicht verhandelbar sind. Ihr Mut verpflichtet uns bis heute, Demokratie zu schützen, Unrecht zu widersprechen und die Erinnerung an diejenigen lebendig zu halten, die für ihre Überzeugungen ihre Freiheit und vielfach sogar ihr Leben riskierten.“
Die Bezirksbürgermeisterin erinnerte zugleich daran, dass Freiheit auch heute keine Selbstverständlichkeit sei. Weltweit kämpften Menschen weiterhin für Demokratie, Menschenrechte und Selbstbestimmung. Der 17. Juni lehre, dass Freiheitskämpfe bereits in dem Moment Respekt verdienten, in dem Menschen den Mut aufbringen, für ihre Überzeugungen einzustehen. Ebenso wies sie darauf hin, dass in der Zeit von Juni 1953 bis zum Mauerbau am 13. August 1961 ca. 2,7 Millionen Bürger aus der damaligen SBZ, der Sowjetischen Besatzungszone, sich Richtung Westen aufgemacht hatten. Man sprach von „einer Abstimmung mit den Füssen“.
Die Gedenkfeier wurde protokollarisch von der Patenkompanie des Bezirks Reinickendorf, der 7. Kompanie des Wachbataillons beim Bundesministerium der Verteidigung, unterstützt.
Text/Foto: Volker Neef