„Berlin in dir ist immer Leben und sehr viel Spaß und die Toleranz wird niemals untergehn“, so begann am 30. Juni Günter Rüdiger seine heitere Unterhaltungsserie in Berlin-Friedenau vor den begeisterten Zuhörern.
Er entführte sein Publikum in die Zeiten vom 1. und nach dem 2. Weltkrieg: „Berlin, du warst am Ende. Wir bauen wieder auf, die Arbeit vieler Hände, wir bauen wieder auf.“ Günter Rüdiger steht in der Tradition der Bänkelsänger und Berliner Lieder sind seine Spezialität. Normalerweise traten Bänkelsänger auf den Marktplätzen und Straßen auf und haben im Anschluss bei ihrem Publikum ihren Hut herumgehen lassen.

Sie standen auf einer kleinen Holzbank und deuteten mit einem Zeigestock auf eine bebilderte Leinwand. Sie sangen zur Gitarre dramatische, oft schaurige Geschichten, Moritaten und Bänkellieder. Eine bebilderte Leinwand gab es im Hoffmannsgarten in der Schmiljanstraße 21 zwar nicht, Günter Rüdiger sang von der Hochzeit bei Zickenschulze und der Keilerei aus festlichem Anlass. Ähnlich mit Bolle, der reiste jüngst zu Pfingsten, nach Pankow war sein Ziel. Da verlor er seinen jüngsten ganz plötzlich im Gewühl…auch diese Reise endete in einer fürchterlichen Keilerei. Das Publikum sang begeistert mit.
Günters melodischer Gesang kam gut an. Je nach Liedinhalt wechselte er seine Kopfbedeckungen vom Zylinder bis zur Schiebermütze. Er ist Schauspieler, Sänger und Regisseur. Seit 2010 ist er Künstlerischer Leiter des Zimmertheater Steglitz in Berlin in der Bornstraße.
Er verwies auf andere Berliner Originale wie Otto Reuter, Claire Waldorff, Eveline Künecke und Werner Schneider. Eines der bekanntesten Stücke stammt von Reinhard Mey: „Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars zur Bestätigung der Nichtigkeit des Durchschlagexemplars.“ Da kommen Erinnerungen an den Behördendschungel hoch…
Der nächste Auftritt von Günter Rüdiger ist am 12. Juli um 15 Uhr im „Theater am Frankfurter Tor“ in Berlin-Friedrichshain.
Text/Foto: Reinhard Frede