Mi. 05.08.2026 23:35, vom rbb in Das Erste | ARD Mediathek
Ein Film von Nadja Tenge
Wer sind die Sinti und Roma in unserer Gesellschaft, denen tief verwurzelte Vorurteile und Antiziganismus entgegenschlagen? Der Film „Junge Roma heute – zwischen Herkunft und Zukunft“ begleitet vier junge Roma, die mit Stereotypen aufräumen und für Selbstermächtigung einstehen – oft im Spagat zwischen familiärem Erbe, kultureller Identität und den Herausforderungen als Minderheit. Das Erste zeigt die rbb-Reportage in der Reihe „Echtes Leben“ am 5. August 2026 um 23.35 Uhr als Erstausstrahlung.
Aufbruchstimmung in der jungen Roma-Generation
Über Jahrhunderte wurden Sinti und Roma ausgegrenzt und verfolgt. Viele Familien lernten deshalb, ihre Herkunft und Kultur nicht öffentlich zu machen und unter sich zu bleiben. Doch in Zeiten, in denen Rassismus und antiziganistische Vorfälle zunehmen, herrscht in der jungen Generation der Roma Aufbruchstimmung. Sie wehren sich gegen Ausgrenzung und Benachteiligung in Schule, Ausbildung, auf dem Wohnungsmarkt und im Beruf und kämpfen für gleiche Chancen, Sichtbarkeit und gesellschaftliche Anerkennung.
Vier Porträts über Engagement, Bildung und Selbstbestimmung
Die Reportage porträtiert vier junge Roma, die sich für gelebte Vielfalt und echte Zugehörigkeit einsetzen und neue, selbstbestimmte Wege gehen.
Estera Sara Stan (23) engagiert sich in Berlin als Roma-Aktivistin gegen Rassismus und Antiziganismus. Geprägt von ihrer Arbeit u.a. im feministischen „RomaniPhen“-Archiv und in der Begegnungsstätte „Neuköllner Nachbarschaftsheim“ organisiert sie Workshops für Jugendliche in Schulen und Jugendclubs und setzt sich für Empowerment und gesellschaftliche Teilhabe der Community ein. Estera ist angehende Grundschullehrerin.
Bei David Paraschiv (27) war der Auslöser für den Wunsch, sich für die Rechte der Roma-Minderheit einzusetzen, eine diskriminierende Erfahrung in seiner eigenen Familie: Als seine Mutter aufgrund eines unbegründeten Diebstahlverdachts öffentlich gedemütigt wurde, fasste er den Entschluss, aktiv gegen Vorurteile und Ausgrenzung vorzugehen. David studiert Soziale Arbeit und leitet Jugendprojekte.

(© rbb/Nadja Tenge)
Stefan Pavlovic (23) hat selbst schon früh Rassismus erlebt. Trotz Hänseleien, Gewalterfahrungen und einer Empfehlung für die Förderschule schaffte er das Abitur und studiert nun Politik und Recht. Sein Beispiel steht für den Bildungsaufstieg vieler junger Roma, während zugleich zahlreiche Angehörige der Minderheit, meist in Südosteuropa, weiterhin unter ärmlichen Bedingungen leben und nur eingeschränkten Zugang zu Bildung haben. Stefan möchte über Vorurteile und Diskriminierung aufklären und durch sein Engagement beim Projekt „Me Sem Me“ die Sichtbarkeit der Geschichte und Kultur von Sinti und Roma fördern.
Mersud Selman(39) hat bosnische Wurzeln. Er ist queer, arbeitet als Friseur und hat in Berlin die Freiheit gefunden, sich nicht mehr zu verstecken. Mersud zeigt seine Roma-Identität und lebt sein Queersein. In seiner Malerei verarbeitet er Erfahrungen von Zugehörigkeit, Ausgrenzung und Selbstfindung, die das Leben seiner Minderheit spiegeln.
Nadja Tenges Film „Junge Roma heute – zwischen Herkunft und Zukunft“ taucht in das Alltagsleben der jungen Roma ein. Er offenbart ihre Herausforderungen, Hoffnungen und Träume sowie ihren Wunsch nach mehr Verständigung zwischen den Kulturen. Der Film ist bereits ab 31. Juli 2026 in der ARD Mediathek abrufbar.
Das teilte unserer Redaktion die Pressestelle des rbb mit. (Foto© rbb/Nadja Tenge)