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Zukunftswerkstatt Pflegepolitik 2026: Verbände formulieren gemeinsame Forderungen zum PNOG
Zukunftswerkstatt Pflegepolitik 2026, Teilnehmer in der Gesprächsrunde (Foto: Florian Arp)
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Zukunftswerkstatt Pflegepolitik 2026: Verbände formulieren gemeinsame Forderungen zum PNOG

Auf Einladung der Redaktion care konkret (Vincentz Network) sind in Berlin mehr als 40 Vertreterinnen und Vertreter der professionellen Langzeitpflege zur Zukunftswerkstatt Pflegepolitik 2026 zusammengekommen. In fünf Masterclasses erarbeiteten sie Positionen zum Referentenentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG). Über nahezu alle Themenblöcke hinweg zeigte sich eine bemerkenswerte Einigkeit gegenüber den Plänen der Bundesregierung.

„Selten kommt ein so breites Spektrum der Branche an einem Tisch zusammen – genau diesen Dialog braucht es jetzt“, sagt Steve Schrader, Chefredakteur von care konkret. Ziel der Zukunftswerkstatt war es, gemeinsame Impulse an die Politik zu formulieren und Konsens wie Dissens innerhalb der Branche sichtbar zu machen. „

Beteiligte Verbände

An der Zukunftswerkstatt beteiligten sich der Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland e.V. (VdDD), der Arbeitgeberverband Pflege e.V. (AGVP), der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege e.V. (DEVAP), der Deutsche Pflegerat e.V. (DPR), der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen e.V. (bad), der Verband für digitale Standards in der Pflege e.V. (VdSP), der Bundesverband der kommunalen Senioren- und Behinderteneinrichtungen e.V. (BKSB), der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe e.V. (VDAB), der Bundesverband Häusliche Kinderkrankenpflege e.V. (BHK), die Initiative Pro Pflegereform, der Arbeitgeber- und BerufsVerband Privater Pflege e.V. (ABVP) sowie der Landesverband Hauskrankenpflege Sachsen-Anhalt e.V. (LVHKP).

Die Ergebnisse der fünf Masterclasses im Überblick

Masterclass 1 – Wirtschaftlichkeit und Tarifrefinanzierung

Die Teilnehmenden fordern, die Tariftreueregelung uneingeschränkt zu erhalten. Gesetzlich oder tariflich vorgegebene Personalaufwendungen müssen vollständig refinanziert werden. Eine Deckelung – insbesondere auf das Niveau der um einen Prozentpunkt reduzierten Grundlohnsummenrate – würde binnen kurzer Zeit zu Betriebsschließungen führen und die Versorgungssicherheit gefährden. Bei der Hilfe zur Pflege fordert die Runde Vorauszahlungen ab Antragsstellung, eine Genehmigungsfiktion sowie verbindliche Bearbeitungs-, Zahlungs- und Verzugsregelungen. Vergütungsverhandlungen und Schiedsverfahren sollen spätestens nach acht Wochen abgeschlossen sein.

Masterclass 2 – Finanzierung des Pflegesystems

Thomas Knieling (Foto: VDAB)

Unter Leitung von Bodo de Vries (Initiative Pro Pflegereform) und Thomas Knieling (VDAB) diskutierten die Teilnehmenden die Finanzierung der Sozialen Pflegeversicherung. Konsens besteht bei der sofortigen Rückzahlung der Corona-Hilfen an die Pflegeversicherung. Höhere Beitragssätze allein reichten nicht aus; erforderlich seien Effizienzsteigerungen, Anreize für mehr Vollzeitbeschäftigung, die Einbeziehung weiterer Einkommensarten sowie höhere Steuerzuschüsse. Die medizinische Behandlungspflege in der stationären Pflege soll über das SGB V finanziert werden. Rentenbeiträge für pflegende Angehörige sollen aus der Pflegeversicherung herausgelöst und – analog zur Kindererziehung – aus Steuermitteln finanziert werden. Ausbildungskosten sind nach Auffassung der Runde eine gesellschaftliche Investition und dürfen nicht über die Eigenanteile Pflegebedürftiger finanziert werden. Zentrale Botschaft: „Wenn ein Gesetz einen bestimmten Namen hat, muss das Gesetz das auch liefern.“

Masterclass 3 – Leistungs- und Versorgungsstrukturen

Die Masterclass übte deutliche Kritik am PNOG-Entwurf: Er ziele ausschließlich auf kurzfristige Einsparungen und drohe Versorgungsengpässe bis hin zur Unterversorgung auszulösen. Gut funktionierende Strukturen – namentlich Tagespflege und ambulante Pflege – würden zerstört, die Pflegequalität leide, atypische Leistungen würden ohne fachliche Grundlage zusammengefasst, der Zeitplan sei unrealistisch. Kernbotschaft: „Kurzfristig sparen, langfristig draufzahlen.“

Zukunftswerkstatt Pflegepolitik 2026, Teilnehmer (Foto: Florian Arp)

Masterclass 4 – Digitalisierung

Die Pflege benötigt eine Digitalisierung auf dem Niveau anderer Branchen. Bislang fehlt ein übergreifendes Zielbild einer gut digitalisierten Pflegeeinrichtung. Grundvoraussetzung ist die Einführung einer normierten Fachsprache beziehungsweise Semantik für die Pflege, wofür eine gesetzliche Initiative erforderlich ist. Zudem braucht es einen investiven Grundstock für alle Pflegeeinrichtungen, insbesondere für die Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI). Die im PNOG-Entwurf vorgesehenen 1,6 Milliarden Euro reichen nicht aus. Der VdSP beziffert allein den Bedarf für die Etablierung der TI in Einrichtungen und Diensten auf mindestens 9 Milliarden Euro. Investitionen in die digitale Infrastruktur dürfen angesichts ihrer gesamtgesellschaftlichen Bedeutung nicht allein aus Mitteln der Pflegeversicherung finanziert werden.

Masterclass 5 – Personal

Isabell Halletz (AGVP) und Martin Kilimann (BKSB) moderierten die Diskussion zur Personalsicherung angesichts der Baby-Boomer-Welle. Die Verbände fordern eine neue Evaluation des 13 Jahre alten Pflegebegutachtungssystems und darauf aufbauend eine Neubewertung des Punktwertesystems. Wünschenswert sei eine bundeseinheitliche Vereinbarung zu Personalvorgaben in ambulanter und stationärer Pflege sowie ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr für jeden deutschen Staatsbürger. Die Begrenzung der Tarifrefinanzierung ist aus dem PNOG zu streichen. Bei internationalen Fachkräften plädiert die Runde für die Refinanzierung trägerübergreifender Anwerbeverbünde und digital gestützte Anerkennungsverfahren. Eine Dequalifizierung durch das PNOG lehnen die Verbände ebenso ab wie eine Schwächung der Pflegeberatung. Ausbildungskosten dürfen nicht in die Eigenanteile einfließen.

Auch Lukas Sander, Chefredakteur von Häusliche Pflege, zieht ein positives Fazit: „Die Zukunftswerkstatt war die erfolgreiche Premiere eines neuen Formats. Sie hat gezeigt, dass die Branche geschlossen auftreten kann, wenn es darauf ankommt – und sie sendet damit wichtige Signale an die politischen Entscheidungsträger in Berlin.“

Ermöglicht wurde die Veranstaltung durch die Sponsoren ETL ADVISION, AS Abrechnungsstelle, d.velop sowie den VdSP – Verband für digitale Standards in der Pflege.

Text: Vincentz Verlag

Fotos: Florian Arp

VO
Volker Neef
Redaktion HauptstadtEcho
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