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IHK-Studie zeigt acht Hebel für gezielte Standortpolitik
Zusätzliche Langstreckenverbindungen am BER würden nach den Berechnungen des IAW jährlich rund 3,2 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung schaffen (Foto: Frank Pfuhl)
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IHK-Studie zeigt acht Hebel für gezielte Standortpolitik

Mehr Langstreckenflüge = mehr Wirtschaftswachstum, mehr Bürokratie = weniger Wachstum: IHK-Studie zeigt acht Hebel für gezielte Standortpolitik

Das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen hat exklusiv für die IHK Berlin acht wirtschaftspolitische Hebel für mehr Wirtschaftswachstum untersucht. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass beispielsweise eine schnellere Besetzung von freien Arbeitsplätzen durch Verbesserung der Vermittlungsaktivitäten das Bruttoinlandsprodukt Berlins um mehr als vier Milliarden Euro erhöhen würde. Ähnlich positive Effekte hätten auch mehr Langstreckenflüge für die Hauptstadtregion und eine Reduzierung der Zeit, die Unternehmen auf bürokratischen Erfüllungsaufwand verwenden müssen. Die Ergebnisse der Studie „Strategie für eine starke Wirtschaftsmetropole“ wurden heute beim Zukunftsforum der IHK Berlin vorgestellt.

Sebastian Stietzel, der Präsident IHK Berlin, erklärte: „Erstmals sehen wir schwarz auf weiß, welche Effekte die richtigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen für die gesamte Stadt haben. Wir reden hier von Hebeln, die Milliarden an Bruttowertschöpfung entfalten und damit die Zukunftsfähigkeit Berlins stärken können. Unsere Studie liefert eine belastbare Grundlage für politische Entscheidungen in der nächsten Legislaturperiode.“

Sebastian Stietzel (Foto: Volker Neef)

Für die Studie hat das IAW Tübingen acht Hebel bzw. Zielzustände unter dem Aspekt Auswirkung auf Bruttowertschöpfung und Arbeitsmarkt untersucht. Folgende Zielzustände standen im Fokus:

Reduzierung der Vakanzzeiten bei unbesetzten Stellen um zehn Prozent

Erhöhung der Deep-Tech-Venture-Capital-Investitionen in Berlin von rund 461 Mio. Euro (2025) auf das Pariser Niveau von 2,7 Mrd. Euro.

Halbierung der landesseitig verursachten Bürokratie-Belastung der Unternehmen

 Zusätzlicher Wohnungsbau – 20.000 zusätzliche Neubauwohnungen

 Halbierung der Stauzeiten im Berliner Wirtschaftsverkehr.

 Sieben zusätzliche Langstreckendestinationen am BER

Halbierung der Anzahl der Schulabgänger, die jedes Jahr in den Übergangsbereich statt in Ausbildung wechseln

Anstieg der Zuwanderung internationaler Fachkräfte um 20 Prozent.


Milliardenpotenziale für Berlin

Besonders deutlich werden die wirtschaftlichen Chancen bei den Hebeln, die bei Innovation, Arbeitsmarkt und internationaler Vernetzung ansetzen.

So weist die Studie den größten langfristigen Effekt bei einer deutlichen Steigerung der Deep-Tech-Investitionen aus. Gelingt es, das Investitionsniveau Berlins auf das heutige Niveau von Paris anzuheben, könnte die Berliner Wirtschaftsleistung langfristig um rund 6,3 Milliarden Euro pro Jahr steigen. Gleichzeitig würden mehr als 49.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

Auch ein besser funktionierender Arbeitsmarkt zeigt erhebliche Wirkungen. Aktuell dauert es im Schnitt fast vier Monate, bis eine freie Stelle besetzt werden kann. Eine schnellere Vermittlung in Arbeit (=Verringerung der Vakanzzeiten um zehn Prozent) würde die jährliche Wirtschaftsleistung um rund 4,1 Milliarden Euro erhöhen und etwa 43.000 zusätzliche Beschäftigte ermöglichen. Ein mittelständischer Bauunternehmer gewinnt so beispielsweise zusätzliche neun Wochen Arbeitszeit im Jahr.

Ein weiterer zentraler Hebel ist die internationale Anbindung Berlins. Sieben zusätzliche Langstreckenverbindungen am BER würden nach den Berechnungen des IAW jährlich rund 3,2 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung schaffen und mehr als 21.000 Arbeitsplätze ermöglichen.

Wachstum braucht Fachkräfte, Wohnraum und leistungsfähige Infrastruktur

Die Studie macht zugleich deutlich, dass wirtschaftliche Entwicklung von mehreren Faktoren abhängt. So könnte eine Steigerung der Fachkräftezuwanderung um 20 Prozent die Berliner Wirtschaftsleistung um rund 1,8 Milliarden Euro erhöhen und bis zu 46.000 zusätzliche Arbeitsplätze ermöglichen.

Auch mehr Wohnungsbau würde sich unmittelbar auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken. 20.000 zusätzliche Wohnungen würden die Wirtschaftsleistung um rund 1,3 Milliarden Euro steigern und mehr als 11.500 zusätzliche Beschäftigte ermöglichen.

Hausbau, Symbolbild (Foto: Volker Neef)

Eine Halbierung der Stauzeiten im Wirtschaftsverkehr hätte ein ähnlich hohes wirtschaftliches Potenzial. Gerade Unternehmen mit hohem Anteil am Wirtschaftsverkehr wie Logistik, Ver- und Entsorgung oder Bauwirtschaft würden bis zu drei Monate an produktiver Arbeitszeit hinzugewinnen, wenn Staus signifikant reduziert werden. (PM/Fotos: Frank Pfuhl; Volker Neef)

VO
Volker Neef
Redaktion HauptstadtEcho
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