Feuerwehreinsatz am Eichborndamm
29. November 2025
Läuft „Vor und Zurück“ bald überall rauf und runter?
29. November 2025
Feuerwehreinsatz am Eichborndamm
29. November 2025
Läuft „Vor und Zurück“ bald überall rauf und runter?
29. November 2025

50. Todestag von Pfarrer Heinrich Grüber

Kirchhof Domgemeinde in Berlin-Wedding (Foto: Volker Neef)

Im Rheinland kam am 24. Juni 1891 der evangelische Pfarrer Heinrich Grüber zur Welt. Er hat mehr als 2.000 Juden das Leben gerettet

Ohne die aktive und tatkräftige Unterstützung des evangelischen Seelsorgers wären diese jüdischen Mitbürger von den Nationalsozialisten in Konzentrationslager verbracht worden. Das nur ganz, ganz wenige diesen faschistischen und menschenverachtenden Terror überlebt hätten, gehört zu den grausamen Wahrheiten der dunklen deutschen Vergangenheit in der Zeit von 1933 bis 1945. Das „Büro Grüber“ hatte anfangs seinen Sitz im Pfarrhaus in Berlin-Kaulsdorf. Aufgrund der Hilfe des „Büro Grüber“ konnten 1.700 bis 2.000 Juden emigrieren.

Heinrich Grüber war von 1934 bis 1945 Pfarrer in Berlin-Kaulsdorf. Bekannt geworden ist er durch das Büro seines Namens, das er im Herbst 1938 im Auftrag der Bekennenden Kirche gründete. Ziel war es, Mitbürger vor der Verfolgung zu bewahren und ihnen eine Emigration zu ermöglichen. Im Dezember 1938 zog es in die Oranienburger Straße 20 in den Bezirk Berlin- Mitte um. Insgesamt konnten aufgrund der Hilfe des Büros nachweislich 1.700 bis 2.000 Juden emigrieren. Es gibt sogar Schätzungen, dass die Zahl der geretteten jüdischen Mitbürger auch bei 2.200 liegen könnte. Die exakte Zahl konnte nie ermittelt werden.

KZ Sachsenhausen (Foto: Frank Pfuhl)

Wie dem auch immer sei, jedes einzelne Menschenleben, das unter der Mitwirkung von Heinrich Grüber gerettet werden konnte, zeigt den Mut des evangelischen Pfarrers. Nach dem Nazipogrom vom 9. November 1938 versteckte Heinrich Grüber zusammen mit anderen Mitgliedern der Bekennenden Kirche mehrere Juden aus Berlin in den um Kaulsdorf befindlichen Laubenkolonien und Siedlungsgebieten. Wegen eines geplanten Protestes gegen eine Internierung von Juden wurde der Widerstandskämpfer Grüber im Dezember 1940 von der Gestapo verhaftet und war bis Juni 1943 in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und später in Dachau inhaftiert. Im KZ Dachau wurde er von Wärtern zusammengeschlagen und verlor bei diesem Übergriff alle Zähne. In der Haft erlitt er mehrere Herzinfarkte.

Nach Kriegsende 1945 setzte ihn die UdSSR kurzzeitig als Bürgermeister von Kaulsdorf ein. Im Mai 1945 ernannte ihn der Magistrat von Berlin auf Anweisung der Sowjetunion zum stellvertretenden Leiter des Beirats für Kirchenfragen. Er erhielt einen Passierschein, damit er sich in der Vier-Sektoren-Stadt-Berlin frei bewegen konnte. Heinrich Grüber bekam von der UdSSR nicht nur ein Fahrrad zugeteilt, sondern auch eine spezielle Bescheinigung. In der stand zu lesen, dieses Fahrrad sei ein sowjetisches Dienstfahrrad und es war unter Androhung von strengen Strafen verboten, es durch sowjetische Soldaten konfiszieren zu lassen. Im August 1945 erfolgte die Berufung zum Propst der Berliner Evangelischen Kirche.

Heinrich Grüber gehörte nach Ende des Zweiten Weltkrieges zu den Gründungsmitgliedern der CDU. Er ist auch einer der Gründungsmitglieder der „Arbeitsgemeinschaft der Kirchen und Religionsgesellschaften in Berlin (AKR) e.V.“. Die AKR e. V.  ist die älteste noch existierende interreligiöse Organisation Deutschlands. Sie wurde 1947 gegründet. Die AKR fördert den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen religiösen Gemeinschaften, um religiöse Toleranz und gesellschaftlichen Frieden zu unterstützen.

Tafel mit den Namen der Ehrengräber auf dem Domkirchenfriedhof in der Müllerstraße in Berlin-Wedding (Foto: Volker Neef)

1948 sprach man Pfr. Heinrich Grüber seitens der Berliner Humboldt-Universität die Ehrendoktorwürde zu. Im Jahre 1965 wurde ihm die Carl-von Ossietzky-Medaille verliehen. Ein Jahr später ernannte man den Widerstandskämpfer zum Ehrenpräsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Beim Eichmann-Prozess in Jerusalem 1961 sagte er als einziger Nicht-Jude öffentlich gegen den Angeklagten aus. 1970 wurde Heinrich Grüber Ehrenbürger von Berlin.

Jesuskirche in Berlin-Kaulsdor (Foto: Volker Neef)

Die „Heinrich-Grüber-Straße“ an der Jesuskirche in Berlin-Kaulsdorf erinnert an den mutigen Pfarrer. Er ist am 29. November 1975, heute vor 50 Jahren, in Berlin verstorben.

Heinrich-Grüber-Straße in Berlin-Kaulsdorf (Foto: Volker Neef)

Seine letzte Ruhestätte fand der Gegner des NS-Regimes in einem Ehrengrab auf dem Evangelischen Domkirchenfriedhof in der Müllerstraße in Berlin-Wedding.

Text: Volker Neef

Fotos: Frank Pfuhl; Volker Neef