Am 18. Oktober 2026 bringt Apollo Film Verleih Jesus Christus Erlöser von Regisseur Peter Geyer zum 100. Geburtstag des ‚Enfant Terrible‘ Klaus Kinski als Wiederaufführung in die Kinos
Der Vertrieb liegt bei barnsteiner-film
Anlässlich des 100. Geburtstags des umstrittenen Schauspielers, Rezitators und Buchautoren Klaus Kinski startet der Berliner Verleih Apollo Film als Wiederaufführung den Dokumentarfilm JESUS CHRISTUS ERLÖSER von Peter Geyer über ein Bühnenprogramm, das komplett aus dem Ruder lief, als Sondervorführung – einmalig – am 18. Oktober 2026 in 100 Kinos.

Klaus Kinski (Foto: Apollo Film Verleih)
„Wir planen einmalig 100 Vorstellungen zu Klaus Kinskis 100. Geburtstag“, so Verleihchef Florian Frerichs. „JESUS CHRISTUS ERLÖSER ist in vielerlei Hinsicht ein Zeitdokument. Für einen Teil des Publikums wird es ein Wiedersehen mit dem legendären Klaus Kinski, für die junge Generation eine höchst interessante Zeitreise in das Deutschland der 70er Jahre, als Skandale noch über die das „word of mouth“ und die Presse transportiert wurden und TikTok, Insta und Co. noch nicht erfunden waren. Ich hoffe, die Kinobetreiber ziehen mit und buchen die einmalige Sondervorstellung, um die Diskussion über einen der vielseitigsten und umstrittensten deutschen Künstler des letzten Jahrhunderts neu zu entfachen.“
Zum Film: Am 20. November 1971 möchte Klaus Kinski in der legendären Berliner Deutschlandhalle die „erregendste Geschichte der Menschheit“ erzählen – das Leben von Jesus Christus. Doch er kommt nicht dazu. Das Bühnenprogramm des skandalumwitterten Schauspielers wird durch Zwischenrufe unterbrochen – von einem Publikum, das sich keine Predigt anhören, sondern diskutieren will. Die Veranstaltung wird abgebrochen und die geplant Tournee komplett storniert.
JESUS CHRISTUS ERLÖSER von Peter Geyer zeigt einen tumultartigen Abend gegenseitiger Beschimpfungen, das Ringen eines Schauspielers um seinen Text, ein Theater- Happening in einer autoritätskritischen Zeit und das grandiose Scheitern einer literarischen Weltverbesserungsmaßnahme. Die Presse war zur Uraufführung des Dokumentarfilms voll des Lobes: » Ein phantastischer Film,…vielleicht sogar das perfekte Kunstwerk.«, schrieb Dirk Lottmann in der taz. Im Berliner Tagesspiegel kommentierte Jenny Zylka: „Moderne Skandälchen sind dagegen kalter Kaffee. Faszinierendes Zeugnis eines Ausnahmeschauspielers.“ Und Christian Horn schrieb auf filmstarts.de

Klaus Kinski (Foto: Apollo Film Verleih)
„Er ist unglaublich, dieser Kinski. Er stößt vor den Kopf, regt auf, verwirrt – begeistert, weckt Interesse und übt eine ganz eigene Faszination aus, die Regisseur Peter Geyer in seinem erschütternden Zeitdokument „Jesus Christus Erlöser“ für die große Leinwand urbar macht.“
Klaus Kinski (eigentlich: Klaus Günter Karl Nakszynski; * 18. Oktober 1926 in Zoppot, Freie Stadt Danzig; † 23. November 1991 in Lagunitas, Kalifornien) war ein deutscher Schauspieler, Rezitator und Buchautor. Er war auf die Darstellung psychopathischer und getriebener Figuren spezialisiert und zählte in diesem Rollenfach auch international zu den gefragtesten Filmschauspielern. Als künstlerisch herausragend gilt seine jahrelange Zusammenarbeit mit dem deutschen Regisseur Werner Herzog, der ihn in Filmen wie Nosferatu – Phantom der Nacht, Aguirre, der Zorn Gottes und Fitzcarraldo besetzte. International bekannt geworden war Kinski durch Rollen in Edgar-Wallace-Filmen und Italowestern.
Kinski galt als schwierige und zu extremen Gefühls- und Wutausbrüchen neigende Persönlichkeit. Wegen seiner Wutausbrüche bei Interviews und Dreharbeiten galt er häufig als „Enfant terrible“. Er war der Vater von Pola, Nastassja und Nikolai Kinski.
Hintergrund: „Eigentlich hätte ein antibürgerlicher Schreck wie Klaus Kinski an diesem Abend leichtes Spiel haben müssen mit seinem Publikum, zumal seine Interpretation des Textes vor allem die radikalen, anti-institutionellen und revolutionären Aspekte von Jesus Christus betont. Doch weit gefehlt: Von Anfang an wird Kinski vom Publikum systematisch beleidigt und provoziert, mit vor allem ihre eigene Spießigkeit entlarvenden Aussagen wie „Du hast doch selbst nie gearbeitet“, „der hat doch schon seine Million“ und andere Zwischenrufe demontiert und schließlich von einem pseudorevolutionären Mob als „Faschist“ beschimpft. Kinski, nicht gerade bekannt für einen sonderlich sensiblen Umgang mit dem Publikum, pöbelt auf gewohnte Weise zurück, verlässt mehrmals die Bühne und kann seinen Text erst nach mehreren Stunden vor einem Häuflein Verbliebener zu Ende bringen. Es war ein Desaster, vor allem für Kinski selbst, der diesen Vortrag stets als seinen wichtigsten empfand.
In scheinheiliger Allianz mit den Provokateuren ergeht sich die Presse in den folgenden Tagen in Hohn und Spott über den ungeliebten Schauspieler, verschweigt die Vorfälle, die zum Chaos geführt hatten und treibt die Demontage Kinskis weiter voran. Schließlich bittet sein Veranstalter um Entlassung aus dem Vertrag und muss kurz darauf Konkurs anmelden – zur geplanten Welttournee mit mehr als hundert Auftritten rund um den Globus kam es nicht mehr. Und rund einen Monat später kommt es zum letzten Kinski-Auftritt auf der Bühne überhaupt – der Deklamator passt offensichtlich nicht mehr in die neue Zeit.

Klaus Kinski (Foto: Apollo Film Verleih)
Dass der denkwürdige Abend überhaupt aufgezeichnet wurde, ging auf Initiative Kinskis zurück, aus im Archiv des Schauspielers lagernden 134 Minuten Material schnitt dessen Nachlassverwalter Peter Geyer 84 hoch spannende und entlarvende Minuten zusammen, die vieles sind: Porträt eines getriebenen, exzentrischen, verletzlichen Schauspielers, der wie kein zweiter erlitt, was er vortrug, der keine Grenze zwischen Kunst und Leben mehr kannte. Mehr Kinski hat man kaum je gesehen. Zugleich und quasi nebenbei ist der Film die messerscharfe Analyse einer wilden und bewegten Zeit, in der man meinte, alles ausdiskutieren zu müssen, Lehrstück über die Kunstfeindlichkeit vermeintlich progressiver Kräfte in Deutschland und zuletzt eine überaus faszinierende Auseinandersetzung mit dem Thema Jesus.
Und bei allen Vorbehalten, die man diesem Mann aus gutem Grunde entgegenbringt – wann sah man je wieder so ein Charisma, so eine Leidenschaft, solch eine Einsamkeit auf der Bühne? Und Tränen der Erschöpfung und der Enttäuschung, die Kinski ganz am Ende vergießt, als nach stundenlangem Tauziehen, nach Beschimpfungen und Störungen der Text, mit dem er so rang, endlich vollbracht ist. Ecce homo – Seht her, was für ein Mensch!“ (Joachim Kurz/kino.zeit)

Klaus Kinski (Foto: Apollo Film Verleih)
Crew & Cast
Regie: Peter Geyer
Produktion: Kinski Productions, Peter Geyer
Schnitt: Peter Geyer, Konrad Bohley, Michael Dreher
Ton: Jürgen Swoboda, Joschi Kaufmann, Stephan Radom, Stefan Kolbe
Musik: Florian Käppler, Daniel Requardt
Technische Daten
Länge: 84 Minuten
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2008
Format: DCP, Farbe, 1:1,85
Ton: Dolby Digital
Originalsprache: Deutsch
FSK: freigegeben ab 12 Jahren (PG)
Text: Felix Neunzerling
Foto: Apollo Film Verleih