
Estrel-Show-Theater präsentiert: „Stars in Concert“ – Die Show der Megastars in Berlin
7. März 2026BERLINALE SHORTS-2
Varia Garib (Foto: © Varia Garib, Kirill Komar)
Bei den 76. Filmfestspielen in Berlin gab es 5-Shortprogramme. Insgesamt kamen 21 Filme zur Aufführung. 21 höchst unterschiedliche Filme wissen die Vielfalt der kurzen Erzählform versiert zu nutzen. Bei der großen Auswahl ist selbstverständlich die Palette sehr breit. Spielfilme waren ebenso vertreten wie Animationsfilme und Dokumentarfilme. Die Spielzeit geht von 12 Minuten bis hin zu 31 Minuten.
Bei den BERLINALE SHORTS-2 befanden sich 4 Kurzfilme im Programm.
Der erste Film trägt den Titel „Mit einem freundlichen Gruß“ (englisch: „With a Kind Regard“. Die Weltpremiere fand im Rahmen der 76. Berlinale statt. Pavel Mozhar ist für Regie und Buch verantwortlich. Der Film hat eine Länge von 14 Minuten. Es handelt sich dabei um eine Dokumentarische Form. Gedreht hat man in Schwarz-Weiß. Sprecherin ist die Schauspielerin Nicole Gospodarek.

Regisseur Pavel Mozhar (Foto: © Lucie Detrain)
Den Regisseur Pavel Mozhar kennt man u. a. durch seinen Film „Ungewollte Verwandtschaft“ (2024). In „Mit einem freundlichen Gruß“ zeigt er dem Zuschauer eine verlassene DDR-Produktionsstätte. Einst züchtete man in diesem fast menschenleeren Teil von Mecklenburg-Vorpommern Hühner und versorgte große Teile des Nordens der DDR mit Eiern. Über 400 verstaubte Bewerbungen aus den Jahren 2004 bis 2008 liegen verstreut im Keller eines Verwaltungsgebäudes. Neben den klassischen Phrasen eines Anschreibens enthalten die Dokumente persönliche Schilderungen der Lebensumstände und Erinnerungen. Im Bemühen, einen Platz in der freien Marktwirtschaft zu finden, offenbaren sich die Bedürfnisse der Bewerber und Bewerberinnen, ihre Ängste und ihr Schmerz. Eine dokumentarische Betrachtung des Menschen hinter der Arbeitnehmerschaft. Nicole Gospodarek schafft es, in jedem Anschreiben an einen potentiellen Arbeitgeber das Herzblut des Bewerbers an den Tag zu legen. Die „armen Teufel“ haben sicherlich an zahlreiche Firmen und Behörden, auch an Freiberufler, ihre Bewerbungen geschrieben. Internet gab es zu dieser Zeit noch nicht in dem Ausmaß wie es heute der Fall ist. Was oft blieb, war das Anschreiben, verbunden mit der Hoffnung, endlich einen Arbeitsplatz zu finden. In den allermeisten Fällen antwortete niemand auf das Anschreiben oder es erfolgte eine Absage. Glücklich konnten sich die wenigen Bewerber und Bewerberinnen schätzen, die nach der Wende in dieser Region einen Arbeitsplatz gefunden hatten.

Regisseur Giorgi Gago Gagoshidze (Foto: © Clara Ianni)
Der zweite Kurzfilm in der Sektion BERLINALE SHORTS-2 trägt den Titel „Graft Versus Host“. Es handelt sich dabei um eine Gemeinschaftsproduktion aus Deutschland und Georgien. Der 1983 in der UdSSR geborene Regisseur Giorgi Gago Gagoshidze schrieb auch das Buch. Der Farbfilm weist eine Länge von 31 Minuten auf. Es handelt sich dabei um eine Dokumentarische Form. Die Weltpremiere des Kurzfilms fand ebenfalls im Rahmen der 76. Berlinale statt.

„Graft Versus Host“ (Foto: © Giorgio Gago Gagoshidze)
Ausgangspunkt von „Graft Versus Host“ ist die Diagnose einer seltenen Krebsart beim Filmemacher. Diese Erkrankung, das T-Zell-Lymphom, führt zum Versagen des Immunsystems und der körpereigenen Abwehrmechanismen. Die medizinische Behandlung erfolgte in drei Phasen: 1. Remission der Krebszellen, 2. Immuntransplantation und 3. Anpassung an ein neues Immunsystem. Der Film nutzt diese drei Phasen als Rahmen, um den Zusammenbruch der Sowjetunion, die Einführung der freien Marktwirtschaft als neues Wirtschaftssystem und einen langwierigen Anpassungsprozess zu spiegeln, der von chronischen Nebenwirkungen geprägt ist. Weit davon entfernt zu behaupten, dass die Biologie ein Modell für eine perfekte Gesellschaftsordnung bietet, verwendet „Graft Versus Host“ medizinische Terminologie, um komplexe geopolitische Veränderungen der jüngeren Geschichte und die vielschichtigen Ursachen der beunruhigenden politischen Realität von heute zu erfassen.
Der dritte Kurzfilm trägt den Titel „Yuragim“.Dabei handelt es sich um eine Gemeinschaftsproduktion aus Österreich und Usbekistan. Der Spielfilm weist eine Länge von 19 Minuten auf.

Kirill Komar (Foto: © Marc Jarabe)
Kirill Komar und Varia Garib sind sowohl für die Regie als auch für das Drehbuch verantwortlich. Sie treten in ihrem Kurzfilm auch als Darsteller auf. Kirill Komar kam in Odessa 1993 zur Welt und lebt seit 2013 in Wien. Varia Garib kam in der usbekischen Hauptstadt Taschkent zur Welt. Das Duo Kirill Komar und Varia Garib drehten auch gemeinsam die Kurzfilme „Aysu“ und „Mosquito“. In „Yuragim“ wirkt neben den beiden Regisseuren u. a. Hasan Azimov mit. Er spielt den Shukrat.

Hasan Azimov (Foto:© Varia Garib, Kirill Komar)
In dem zentralasiatischen Usbekistan, einem Land, dessen sowjetische Vergangenheit und alte Traditionen ihre Auswirkungen bis in die Gegenwart haben, lebt Saida zwischen verschiedenen Welten und füllt mehrere Rollen aus. In den Augen ihrer Mutter ist sie eine bescheidene Lehrerin. Sie arbeitet allerdings auch als Vermittlerin für ausländische Wirtschaftsdelegationen, wobei ihre Aufgaben über das Übersetzen und Assistieren hinausgehen: Sie organisiert „besondere Dienstleistungen“ für reiche Geschäftsleute und bringt einheimischen Frauen deutsche Ausdrücke bei, damit ihnen das erste Anbandeln leichter fällt. Sowohl im Klassenzimmer als auch in den Konferenzräumen ist Saidas Leben von Wiederholungen und Fremdbestimmung geprägt. Wie der Zug auf seiner vorgegebenen Strecke ist sie ständig in Bewegung zwischen den unterschiedlichen Arbeitsorten, kann aber die Richtung nie frei wählen. Als ihr Chef ihr nachzustellen beginnt, muss sie sich entscheiden: auf dem für sie vorgesehenen Weg bleiben oder den Ausbruch aus dem System wagen?
Der vierte Kurzfilm trägt den Titel „Taxi Moto“. Gaël Kamilindi ist für Regie und das Buch verantwortlich. Er wirkt auch als Darsteller in dem 21minütigen Spielfilm mit. Erwan Kepoa Fale wirkt ebenfalls mit. Man kennt ihn u. a. aus den Filmen „Eat the Night“, einem Thriller und dem Drama „Chica Checa“. Beide Filme drehte man 2024.

Gaël Kamilindi (Foto: © Jérôme Bonnet)
Es handelt sich bei „Taxi Moto“ um eine Gemeinschaftsproduktion aus der Schweiz und Frankreich. Die Weltpremierefand im Rahmen der 76. Berlinale statt. Gaël Kamilindi kam 1986 in Ruanda zur Welt. Seine Ausbildung als Regisseur und Schauspieler erfolgte in Paris. Er ist Ensemblemitglied an der Comédie-Française. „Taxi Moto“ gewann den Teddy Award für den Besten Kurzfilm.

Gaël Kamilindi (li.) und Erwan Kepoa Falé (Foto: © ADOK FILMS)
Der Regisseur Gaël Kamilindi reflektiert über sein nicht realisiertes Filmprojekt: Der Regisseur war in sein Herkunftsland in Afrika zurückgekehrt, wo er vorhatte, einen Film zu drehen. Der Spielfilm soll die Liebesgeschichte zweier Männer, Soli und Moh, erzählen. Die Finanzierung stand bereits, eine Crew war einsatzbereit, aber aufgrund des Themas erhielt Kamilindi keine Erlaubnis, den Film in Afrika zu drehen. Er beschließt deshalb, den Film an seinem jetzigen Wohnort in Paris neu zu erfinden als die Geschichte von Pacy und Joe.

Erwan Kepoa Falé (Foto: © ADOK FILMS)
Kamilindi trifft sich mit seinem bevorzugten Darsteller für die Rolle des Joe (Erwan Kepoa Fale). Die Rolle des Pacy will Kamilindi selbst spielen. Sein Kollege stimmt zu, und gemeinsam beginnen sie, ihre Rollen zu erforschen. Bei Spaziergängen in einem nächtlichen Wald und im Tropenhaus eines botanischen Gartens sprechen die beiden Männer über ihre Erfahrungen als queere Schwarze. Sie diskutieren die Bedeutung und den Handlungsverlauf des Films. Kepoa Falé kritisiert massiv, dass Kamilindi in seinem Drehbuch keinen Kuss zwischen den beiden Hauptfiguren vorgesehen hat. Kamilindi war bereit, auf eine solche Szene im Drehort Afrika zu verzichten, um dem Film zu ermöglichen. Kepoa Falé hält dies aber für Selbstzensur. Zunehmend ist völlig unklar, ob Kamilindi und Kepoa Falé als sie selbst oder aber als die Filmfiguren Pacy und Joe auftreten. Zum Schluss trifft Kamilindi die Entscheidung, den Film mit einem Kuss der zwei Männer enden zu lassen.
In der Sektion BERLINALE SHORTS-2 stellen Regisseurinnen und Regisseure aus aller Welt erneut unter Beweis, dass Kurzfilme auch ganz große Dinge erzählen können.
Text: Volker Neef
Fotos: © Lucie Detrain; © Jonas Römmig, © Clara Ianni, © Giorgio Gago Gagoshidze, © Varia Garib, Kirill Komar; © Marc Jarabe; © Jérôme Bonnet; © ADOK FILMS
























