
Neuwagen für die Linien U5 bis U9 bei der BVG
19. Mai 2026Christian Görke, MdB: „Unhaltbare Zustände“
Lars Gehrke (li.) und Christian Görke (Foto: Frank Pfuhl)
Sorgenkind ODEG
Wer den Linken-Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Brandenburger Finanzminister Christian Görke näher kennt, weiß, der Parlamentarier ist nicht als „Schreihals“ bekannt. Er wählt sorgsam und mit Bedacht seine Worte aus.

Wenn man von ihm dann hört, er spricht von „unhaltbaren Zuständen“ und „Amateurliga“ sowie „Selbstmord mit Ansage“, muss schon viel Hochwasser die Oder entlanggeflossen sein. Der Volksvertreter aus der Lausitz hatte am 18. Mai Medienvertreter in den Deutschen Bundestag eingeladen. Sein Unmut bezog sich auf die Regionalzugverbindung RE1 zwischen Berlin und Frankfurt (Oder). In den letzten Wochen und Monaten gibt es auf der Regionalzugverbindung RE1 zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) häufige Zugausfälle, Verspätungen sowie ungeplante oder sehr kurzfristig angekündigte Schienenersatzverkehre. Die Deutsche Bahn als Infrastrukturbetreiber ist nur bedingt bereit, ihrer Verantwortung für eine abgestimmte und umfassende Instandsetzungsplanung gerecht zu werden. Das bestätigt eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag, die man den Pressevertretern detailliert vorgestellt hat. Diese unzureichende Verantwortung geht zu Lasten tausender Pendlerinnen und Pendler, die täglich die am meisten frequentierte Strecke in Berlin und Brandenburg nutzen, aber auch zu Lasten der Zugbetreiberfirma ODEG. Seit 2022 befährt sie diese Strecke. An der Seite von Christian Görke war auch Lars Gehrke. Er ist Geschäftsführer der ODEG.

Was die Reisenden demnächst noch alles auf der vielbefahrenen Strecke erwartet, bzw. ertragen müssen, teilten Christian Görke und Lars Gehrke den Journalisten mit. Lars Gehrke sprach von einem „Zugausfall von 13 Prozent im Zeitraum von Januar bis April 2026“. Dieser Prozentsatz ist gigantisch! Man muss ja bedenken, im Jahre 2023 betrug der Prozentsatz der Zugausfälle auf dieser Strecke 5 Prozent. Ein Jahr später, also 2024, waren es auch noch 5 Prozent. Im Jahre 2025 waren es 8 Prozent. Die Steigerungsrate von 2023 und 2024 auf die ersten 4 Monate des Jahres 2026 beträgt somit 260 Prozent. Der ODEG-Geschäftsführer benannte auch die Verursacher für die Zugausfälle. „Massiv die Verlässlichkeit auf der Linie beeinflussen“ würden die Großbaustellen zum Neubau der Bahnhöfe Berlin-Köpenick und Fangschleuse (Oder-Spree). Die RE1 ist ja auch keine Bimmelbahn, die mal so nebenbei zwei abgelegene Dörfer miteinander verbindet! Wie bereits erwähnt: Knapp 60.000 Fahrgäste nutzen sie täglich. Vom Startpunkt in Magdeburg via beispielsweise Genthin, Kirchmöser, Brandenburg an der Havel, Götz, Werder an der Havel, Potsdam HBF, Berlin-Wannsee, Berlin-Charlottenburg, Berlin HBF, Erkner, Hangelsberg, Fürstenwalde (Spree), Pillgram bis Frankfurt an der Oder verbindet die ODEG zwei Landeshauptstädte mit der Bundeshauptstadt. Von Frankfurt an der Oder fahren auch Züge der RE1 weiter bis nach Guben und Cottbus.

Für die zahlreichen Ausfälle und massiven Verspätungen hat die ODEG auch den Verursacher festgestellt! DB Infrago als Gleisnetzbetreiberin ist laut ODEG dafür verantwortlich. Brisant daran ist die Tatsache, dass es sich dabei um eine Konzerntochter der mächtigen DB handelt! Die Gesamtstrecke von Berlin nach Frankfurt an der Oder ist seit langem eine Großbaustelle, so der ODEG-Vertreter. Der Bundestagsabgeordnete Christian Görke befürchtet, dadurch hänge man Ostbrandenburg ab.
Der nächste Ko-Hieb durch die DB ist auch schon von ihr selbst verkündet worden. Die Strecke zwischen dem Berliner Ostbahnhof und Frankfurt (Oder) soll ab 2029 für neun Monate saniert werden. Das führt garantiert zu massiven Zugausfällen und einem notwendigen Schienenersatzverkehr. Die Fahrtzeit verlängert sich enorm, so der Volksvertreter Görke. Er sprach auch davon, dass man 50 bis 60 Busse allein für diesen Abschnitt zur Verfügung stellen muss. Lars Gehrke wies darauf hin, wie schwierig es ist, Busunternehmer und Busfahrer in dieser benötigten Menge zu finden. Der Fachkräftemangel bezieht sich ja auch auf Busfahrer. Die ODEG muss sogar innerhalb der EU nach Busunternehmern und Busfahrern regelrecht fahnden. Dazu sollen die eingesetzten Busse ja auch einen Mindeststandart erfüllen was Komfort, Sauberkeit und Pünktlichkeit betrifft. Christian Görke sprach von „Selbstmord mit Ansage“, sollte es wirklich zu der neunmonatigen Sperrung in 2029 kommen. Die Stadt Frankfurt an der Oder werde einen Rückgang von Pendlern schnell bemerken. Studenten machen um die Universitätsstadt einen großen Bogen, das Klinikum als größter Arbeitgeber der Stadt sei auf die Pendler angewiesen!
Wer nun meint, das Auto könne in der Sanierungszeit 2029 zur Lösung beitragen, irrt! Die Autobahn A12 und die Landstraßen werden dann eine Staufalle sein. Christian Görke wird interfraktionell mit anderen Bundestagsabgeordneten, Landtagsabgeordneten, Landräten und Bürgermeistern nach Lösungen suchen, um dafür zu sorgen, dass Ostbrandenburg nicht zu einem Flecken im Niemandsland wird.
Text: Volker Neef
Foto: Frank Pfuhl
























