Colombo ist die Hauptstadt von Sri Lanka. Sie ist eine sanfte Stadt. Sie hat sogar meine „Aufzugsangst“ geheilt.
Ich hatte schon immer Angst davor, allein Aufzug zu fahren. Dieses Gefühl, für einen Moment von der Außenwelt abgeschnitten zu sein, löste in mir instinktive Unruhe aus. Als ich in Colombo ankam, wohnte ich im ITC Hotel im 31. Stock. Beim ersten Mal fuhr jemand mit mir nach oben. Als ich zum ersten Mal allein wieder hinuntermusste, traute ich mich noch nicht. Also bat ich eine Mitarbeiterin aus der Wäscherei, mit mir gemeinsam den Aufzug zu nehmen. Danach begann ich, es selbst zu versuchen. Beim ersten Mal war ich noch etwas angespannt, beim zweiten Mal ebenfalls. Doch irgendwann stellte ich plötzlich fest: Ich hatte keine Angst mehr. Meine Aufzugsangst war einfach verschwunden. Später fragte ich mich, warum.

Vielleicht lag es nicht am Aufzug selbst, sondern an dem Gefühl, in Colombo niemals völlig auf mich allein gestellt zu sein. Das ITC ist ein luxuriöses Hotel mit hoher Auslastung. Fast jedes Mal, wenn ich zum Aufzug kam, warteten dort bereits andere Gäste. Die Türen öffneten und schlossen sich, Menschen kamen und gingen – alles wirkte selbstverständlich. Auch die Mitarbeiter waren überall. Am Eingang, auf den Etagen, stets war jemand da. Man musste nicht nach Hilfe suchen. Sie war einfach da. Ich begann zu verstehen: Was mich beruhigte, war nicht nur die Anwesenheit anderer Menschen. Es war das Wissen: Wenn etwas passiert, bin ich nicht allein.

So wurde der Aufzug, vor dem ich mich so lange gefürchtet hatte, zu einem ganz normalen Teil meines Tages. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich Colombo als eine sanfte Stadt empfinde.
Der Wind als Training
Ich bin eine leidenschaftliche BodyPump-Anhängerin. Ich achte auf meine Taille, aber noch mehr auf dieses Gefühl, dass die Körpermitte ständig aktiviert ist und den ganzen Körper ruhig und kraftvoll trägt. Am Meer bei One Galle Face stand ich oft am Wasser, spürte den Wind des Indischen Ozeans und lauschte den Wellen. Der Wind dort lässt sich schwer definieren. Er ist kraftvoll und zugleich sanft, weich und gleichzeitig bestimmt. Er schneidet nicht durch den Körper, sondern umhüllt ihn. Im Wind wird der Atem tiefer, der Brustkorb öffnet sich, der Körper entspannt sich. Kraft und Weichheit existieren im selben Moment. Manchmal stand ich auf dem Balkon im 31. Stock des ITC Hotels und blickte auf das Meer. Nachts hörte ich die Wellen. Die Stadt schien zwischen Meer und Himmel zu schweben. Ich stand im Wind und ließ ihn durch meinen Körper strömen. Dieser Wind fühlte sich für mich wie eine stille Form des Trainings an.

Ich war zwei Wochen lang nicht im Fitnessstudio und hatte mit BodyPump aufgehört. Trotzdem waren bei meinem nächsten EGYM-Körperleistungstest meine Werte stabil geblieben, einige hatten sich sogar verbessert. Das brachte mich zu einem einfachen Gedanken: Die Formung unseres Körpers findet nicht nur im Fitnessstudio statt.
Am Meer wird die Haltung selbst zu einer Form des Trainings. Gesundheit entsteht nicht nur durch Hanteln und Wiederholungen. Sie entsteht auch durch die Umgebung, durch Achtsamkeit und durch eine bestimmte Art zu leben. Eine Stadt, in der ein Traum Wirklichkeit wurde. Die Menschen in Sri Lanka haben mich tief beeindruckt. Während der Stoßzeiten sind die Busse überfüllt. Und doch bleiben die Menschen freundlich und zurückhaltend. Während buddhistischer Feiertage warten sie geduldig an den Ständen mit den kostenlosen Gaben. Auch am Meer herrscht eine bemerkenswerte Ruhe.
Colombo hat Ordnung, aber keinen Druck. Ruhe, aber keine Kälte.
Nach einigen Tagen voller Gespräche traf ich Vertreter verschiedener staatlicher Institutionen. Ob der Vorsitzende des Board of Investment, BOI, oder ein stellvertretender Direktor der Urban Development Authority, UDA – die Gespräche waren respektvoll und zugleich erstaunlich unkompliziert. Als ich mein Kulturprojekt Time Matter Lab™ vorstellte – ein Konzept aus Jugendherberge, Galerie, Künstlerresidenzen, internationaler Auktionsplattform, Wochenendmarkt und kulturellen Ausstellungen –, zeigten sie mir bald eine mögliche Immobilie: ein ehemaliges Militärkrankenhaus.
Die Lage war hervorragend. Das koloniale Gebäude war erhalten, dazu kam ein großzügiger Innenhof. Es war beinahe ein Modell dessen, was ich mir vorgestellt hatte. In diesem Moment wurde mir klar: Sie zeigten mir nicht einfach ein Gebäude. Sie zeigten mir einen möglichen Eingang zu etwas Neuem.

Ich besuchte auch das Grand Oriental Hotel, ein elegantes koloniales Gebäude, in dem die Zeit scheinbar ein wenig stehen geblieben ist. Später fuhr ich mit dem Tuk-Tuk durch Colombo. Buddhistische Tempel, Kirchen und Moscheen liegen nebeneinander. Die verschiedenen Religionen existieren hier ganz selbstverständlich miteinander. Ich sprach mit vielen Tuk-Tuk-Fahrern. Die meisten sprechen fließend Englisch. Wenn ich sie nach ihrem Leben fragte, hörte ich immer wieder ähnliche Antworten: Das Leben sei tragbar, die Regierung funktioniere, und vieles habe sich verbessert.
Diese Stadt vermittelt Stabilität. Und ein Gefühl von Boden unter den Füßen. Die kolonialen Gebäude haben mich besonders beeindruckt. Manche Straßen erinnerten mich sogar an das Zentrum Berlins. Diese historischen Gebäude sind nicht verschwunden. Sie atmen noch.
Wie eine Stadt einen Menschen verabschiedet
Es gibt einen Moment, den ich bis heute nicht vergessen habe. Es war mein letzter Abend im ITC Hotel. Ich ließ meine beiden Koffer im Zimmer und bat die Rezeption, sie nach unten bringen zu lassen. Danach ging ich mit Freunden aus. Als ich zurückkam, standen meine Koffer bereits unten. Als es schließlich Zeit war zu gehen, bat ich darum, mein Gepäck zum Auto zu bringen. Nachdem die Koffer im Wagen lagen, geschah etwas Unerwartetes. Die Mitarbeiter, die sonst vor dem Hotel für Fahrzeuge, Empfang, Sicherheit und andere Aufgaben zuständig waren, kamen plötzlich einer nach dem anderen auf mich zu.

Sie gaben mir die Hand, verabschiedeten sich und sagten: „Wir freuen uns, Sie wieder bei uns begrüßen zu dürfen.“ In diesem Moment hatte ich ein fast unwirkliches Gefühl. Es erinnerte mich an die Szene, wenn eine bedeutende Persönlichkeit nach einer wichtigen Konferenz den Saal verlässt und die Menschen nacheinander auf sie zukommen, ihr die Hand geben und sie persönlich verabschieden. Nicht weil diese Person tatsächlich etwas Besonderes sein muss. Sondern weil die Haltung der anderen ihr für einen Moment das Gefühl gibt, etwas Besonderes zu sein. Und genau so wurde ich an diesem Abend verabschiedet. Sie behandelten mich nicht wie einen gewöhnlichen Gast, der auscheckt. Für diese wenigen Minuten lag etwas fast Feierliches in der Situation. Jeder kam persönlich auf mich zu.

E war berührend für mich: Ich hatte nicht das Gefühl, dass „Wir freuen uns auf Ihren nächsten Besuch“ nur ein Satz aus einem Servicehandbuch war. Ich glaubte ihnen. Ich hatte das Gefühl, dass sie wirklich wollten, dass ich zurückkomme. Dabei verließ ich Colombo an diesem Abend mit sehr gemischten Gefühlen. Als sich die Autotür schloss, hatte ich nur noch einen Gedanken:
Ich möchte bald wiederkommen.
Text/Foto: Liqun Martz