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11. April 2026Stephan Thomae: „Die FDP muss zurück in die Parlamente!“
Stephan Thomae (© Stephan Thomae/ Sonja Thürwächter)
Stephan Thomae (FDP) war Mitglied des Deutschen Bundestages von 2009 bis 2013 und dann erneut von 2017 bis 2025. In der Wahlperiode 2017 bis 2021 war er Stellvertretender Fraktionsvorsitzender des Fraktionsvorsitzenden Christian Lindner und in der Wahlperiode 2021 bis 2025 Parlamentarischer Geschäftsführer des Fraktionsvorsitzenden Christian Dürr. Er ist jetzt als Rechtsanwalt in der Kanzlei Menz und Partner in Kempten im Allgäu tätig.
Wir sprachen mit Stephan Thomae über den Ende Mai in Berlin-Neukölln stattfindenden FDP-Bundesparteitag und die Kandidatur von Wolfgang Kubicki für das Amt des Parteivorsitzenden.

Stephan Thomae erklärte: „Man muss der FDP und man muss auch Wolfgang Kubicki nicht in allem zustimmen. Doch wer es mit der freiheitlichen Demokratie ernst meint, wird nicht widersprechen, dass eine parlamentarische Demokratie von Parteienvielfalt lebt und von streitbaren Geistern profitiert, die auch einmal provokative Thesen wagen, die das Denken anregen und die Diskussion beleben. Nur in einem solchen Debattenraum, in dem man nicht gleich jeden ins Unreine gesprochenen Diskussionsbeitrag übelnimmt, kann Neues entstehen. Weder die FDP noch Wolfgang Kubicki haben die Wahrheit gepachtet und den Stein der Weisen gefunden. Sie sind nicht unfehlbar und alles andere als frei von Irrtümern.

Aber wer meint, es gehe doch auch ganz gut ohne die FDP in der deutschen Politik, der unterschätzt, dass unser Land und unsere Gesellschaft auf den Schultern von Mittelstand und Mittelschicht stehen, von risikobereiten Existenzgründern, Selbstständigen und Unternehmern getragen werden, übrigens nicht zu vergessen auch von Ehrenamtlern, die mehr tun, als sie eigentlich müssten. In einem Land, in dem sich so viele Menschen als Staatskunden empfinden und der Meinung sind, die Politik sei quasi für alles und jedes zuständig, braucht es eine politische und auch eine parlamentarische Stimme, die gelegentlich daran erinnert, dass ein freies Unternehmertum die Voraussetzung für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unseres Landes und Eigenverantwortung die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben ist. Das mag vielleicht nicht alles sein, was unser Land bestimmt und prägt. Der Sozialstaat, eine lebenswerte Umwelt, Sicherheit und Ordnung: all das sind genauso wichtige Staatsaufgaben. Aber die Botschaft von individueller Freiheit, Unternehmergeist und Eigenverantwortung sind wichtige Voraussetzungen für all das, was unser Land wirtschaftlich leistungsfähig und gesellschaftlich lebenswert macht, und für diesen Teil des politischen Gesamtpakets steht die FDP. Man muss die FDP nicht mögen um anzuerkennen, dass die Marginalisierung dieser politischen Botschaft keinen Gewinn, sondern einen Verlust an politischer Vielfalt darstellt. Deshalb muss die FDP zurück in die Parlamente!
Das Überleben der FDP ist nicht garantiert, aber auch nicht chancenlos. Wer die FDP jetzt schon abschreibt, unterschätzt auch, wie schnell das Blatt sich wieder wenden kann. Zugegeben muss die FDP sich den Weg zurück in die Parlamente erst wieder erkämpfen. Das wird kein Selbstläufer und es wird auch nicht auf die Schnelle gehen, denn die Menschen lieben Sieger und sie hassen Verlierer. Weil der FDP derzeit der Verlierergeruch anhaftet, geht es mit ihr aktuell eher noch weiter nach unten. Diese Entwicklung war zu erwarten und darf uns auch nicht völlig überraschen. Die FDP muss überhaupt erst wieder den Weg zurück in die Wahrnehmung finden, denn in der Berichterstattung über die politischen Debatten taucht sie momentan gar nicht mehr auf. Die Werbestrategen planen eine Marketingstrategie nach dem Merkwort „AIDA“: Attention, Interest, Decision, Action: Aufmerksamkeit, Interesse, Entscheidung, Handlung. Der FDP, derzeit unterhalb der Messbarkeitsschwelle praktisch aller Umfrageinstitute, fehlt es momentan schon am ersten „A“, an der Aufmerksamkeit. Um überhaupt wieder sichtbar zu werden, bedarf es nach dem Rückzug von Christian Dürr aus der Parteispitze eines Vorsitzenden, der die Partei wieder wahrnehmbar macht, der keine Angst hat, hier und da einmal zu provozieren, der auch keine Furcht hat, sich einmal zu irren, der als streitbarer Geist für Fernsehrunden und Zeitungsredaktion interessant ist und die Partei wieder ins Gespräch bringen kann, und sei es hier und da auch einmal ins Gerede. Ich stimme Wolfgang Kubicki sicherlich nicht in jeder seiner Positionen zu, und er wird auch nicht automatisch der Spitzenkandidat der FDP für die nächsten Bundestagswahlen sein. Schon angesichts seiner Lebensphase ist es nicht respektlos, bereits die längerfristige Personalentwicklung ins Auge zu fassen. In der aktuellen Lage aber kann Wolfgang Kubicki die Aufmerksamkeit am besten wieder auf die FDP lenken, sie zurück ins Gespräch bringen und die Voraussetzungen für ihr Come Back schaffen.“
An dieser Stelle bedankt sich unsere Redaktion nochmals bei Herrn Stephan Thomae für seine Ausführungen.
Text: Volker Neef
Fotos: (© Stephan Thomae/ Sonja Thürwächter); Volker Neef
























