Der ehemalige Bezirksbürgermeister, der ehemalige Bundestagsabgeordnete feiert
23. März 2026
Der ehemalige Bezirksbürgermeister, der ehemalige Bundestagsabgeordnete feiert
23. März 2026

Thomas Seerig: „ZDF-Reportage „Zu jung fürs Abstellgleis“ macht die Altersdiskriminierung für alle bewusst

Thomas Seerig (Foto: Michael Königs)

Wir hatten kürzlich auf eine Sendung im ZDF hingewiesen. Es geht um die „37°“-Reportage „Zu jung fürs Abstellgleis“, die am Dienstag, 24. März 2026, ab 8 Uhr im ZDF-Streaming-Portal abrufbar und um 22.15 Uhr im ZDF zu sehen ist

Wir sprachen darüber mit Thomas Seerig. Man kennt Thomas Seerig als Vorsitzenden der FDP in Steglitz. Der Liberale gehörte von 1990 bis 1995 und dann nochmals von 2016 bis 2021 dem Berliner Abgeordnetenhaus an. Nunmehr hat er ein wichtiges Ehrenamt inne. Er ist Vorsitzender des „Landesbeirats für Menschen mit Behinderungen“. Wir sprachen mit Thomas Seerig.

Hauptstadtecho: Einige Mitbürger werden nicht nur aufgrund eines Handicaps oder ihrer Hautfarbe benachteiligt. Das Alter kann auch dazu führen, benachteiligt zu werden. Was sagt der Vorsitzende des Berliner „Landesbeirats für Menschen mit Behinderungen“ dazu?

Thomas Seerig: „Die ZDF-Reportage „Zu jung fürs Abstellgleis“ macht die Altersdiskriminierung für alle bewusst. Nach Grundgesetz und Recht ist eine Diskriminierung wegen des Alters verboten. Die gelebte Praxis ist leider eine andere“.

Hauptstadtecho: Bitte führen Sie das Näher aus.

Thomas Seerig: „Menschen ab 50, 60 Jahren kennen das, von der Jobsuche oder dem Kreditantrag oder auch beim gesellschaftlichen Engagement. Dann wird sofort auf erhöhte Krankheitsquote, fehlendes Verständnis für Technik oder einfach mangelnde geistige Leistung getippt. Zu Unrecht; gerade die sogenannten Boomer sind motiviert, engagiert und längst an permanenten Veränderungen gewöhnt. Denselben Vorurteilen begegnen auch Menschen mit Behinderungen, so dass deren Arbeitslosenquote höher als der Durchschnitt ist aber deren Krankenstand geringer.

Angesichts von Fachkräftemangel und demographischem Wandel ist hier ein Umdenken unbedingt notwendig. Gerade Menschen mit Lebenserfahrung sind auf Herausforderungen besser vorbereitet als die „Jungen“. Wir können mit Navi und Landkarte umgehen und wir können auch ohne Computer drei Zahlen addieren.

Wie fragil die Basis aus Elektronik und Handy aufgestellt ist, hat zuletzt der Stromausfall in Zehlendorf gezeigt. Da geht plötzlich ohne Strom und Handy nichts mehr.

Zumindest für die Generationen X, Z und Co. Die Alten kommen auch noch mit Kopfrechnen und Handschrift hin – gelernt ist eben gelernt. Wer also ältere Menschen diskriminiert, schadet mittelfristig nur sich selbst und der Gesamtgesellschaft. Daher gilt immer noch der Klassiker von Otto Reuter: Nehmen Sie ‚nen Alten“.

Hauptstadtecho: Vielen Dank für das Gespräch.

Text: Volker Neef

Foto: Michael Königs

Cookie Consent mit Real Cookie Banner