„Porzellan Museum Frankfurt schließt nach 32 Jahren am 28. Juni“, so meldete eine Frankfurter Zeitung kürzlich, und weiter: „Das Porzellan Museum Frankfurt im Kronberger Haus macht am 28. Juni 2026 endgültig dicht. Die 1.800 Exponate ziehen in den Bolongaropalast um, der erst im Sommer 2027 öffnet.“

Aber der Reihe nach: 1746 wurde in der über Jahrhunderte selbständigen Stadt Höchst eine Porzellanmanufaktur gegründet. Sie ist damit nach der Meißener Manufaktur von 1710 die zweitälteste Gründung einer Porzellanmanufaktur in Deutschland und die einzige in Hessen. Das Firmenzeichen der Höchster Porzellanmanufaktur ist das Mainzer Rad. Höchst gehörte nämlich bis 1803 zum Kurfürstentum Mainz und hatte wenig mit Frankfurt am Main zu tun. Erst 1928 wurde Höchst nach Frankfurt eingemeindet, nach Auffassung zahlreicher alter Höchster „von Frankfurt geschluckt“. Mit Stolz beherbergte Höchst die früheren „Farbwerke“ und spätere „Hoechst AG“, einmal die „Apotheke der Welt“ genannt.
Die genannte Porzellanmanufaktur hatte ein wechselhaftes Schicksal, geprägt von manchem Besitzerwechsel und manchen Insolvenzen. Zeitweise wurde sie nachdrücklich unterstützt und gefördert von der früheren Hoechst AG. Nach der Zerschlagung der Hoechst AG Mitte der neunziger Jahre kam die Manufaktur erneut in Turbulenzen. Ende 2022 gab das Land Hessen mit Blick auf die große Tradition der Manufaktur bekannt, deren Vermögenswerte sowie einen Teil ihrer Beschäftigten zu übernehmen, um den Betrieb als Ausbildungsstätte der Hochschule für Gestaltung Offenbach anzugliedern, was auch geschah.
Das Historische Museum Frankfurt trug dieser großen Tradition der früheren Stadt Höchst Rechnung, indem man 1994 als „Außenstelle“ das Porzellanmuseum im Kronberger Adelspalais eröffnete, einem historischen Gebäude aus den Jahren 1577–1580, das im Stil der Spätrenaissance erbaut worden war. Die Leiterin Patricia Stahl konzipierte das Museum und verfasste einen Bestandskatalog der vorhandenen umfangreichen Sammlung Höchster Porzellane. Drei Jahre später wurde der Bestand durch Stiftungen von Privatpersonen und auch der vormaligen Hoechst AG erheblich erweitert.
Zum 19. Juni hatte nunmehr die Stadt Frankfurt in das Kronberger Palais zu einer Abschiedsfeier vom Museum und der Kuratorin und langjährigen Leiterin des Museums Frau Patricia Stahl eingeladen.

Die Laudatio auf Frau Stahl hielt die Direktorin des Historischen Museums Frankfurt, Frau Dr. Doreen Mölders. Frau Stahl habe ihr Amt 42 Jahre ausgeübt. Das sei länger, als manche Ehe halte. Ihre Publikationen seien zahlreich. Und vor allem schlage ihr Herz für Porzellan und Fayencen. Sie könne detailliert die Geschichte der einzelnen von ihr betreuten Objekte erzählen. Und sie sei in der Höchster Vereinswelt tief verankert. Sie sei zur „Seele des Kronberger Hauses“ geworden. Sie kündigte zugleich an, dass 2027 das Museum eine neue Bleibe im historischen Bolongaropalast finden werde, dessen 2016 begonnener Umbau 2027 fertig sein solle.
Anschließend überreichte Frau Dr. Mölders Frau Stahl die Dankesurkunde der Stadt Frankfurt.

Frau Patricia Stahl erwähnte in ihrer Dankesrede, dass das Historische Museum Frankfurt bereits 1877 erste Stücke Höchster Porzellans erworben habe. Ausführlich erläuterte sie auch die Geschichte des (Noch-)Museumsdomizils, das zwischen 1577 und 1580 von Franz von Kronberg erbaut wurde, und über die Jahrhunderte unter anderem als Tabakfabrik, Rathaus, Bibliothek und Feuerwehrstation gedient habe. Ebenso warf sie einen Blick auf die Museumsgeschichte einschließlich der Stiftungen. Auch die Geschichte einzeln Figuren waren in ihrem Blick, etwa die des chinesischen Kaisers. Herzlich dankte Frau Stahl allen Unterstützern und Veranstaltern mit Blick auf das Museum.

Eine ganze Reihe von Gratulanten an Frau Stahl schloss sich mit Grußworten an, unter ihnen der Vorsitzende des Höchster Vereins für Geschichte und Altertumskunde, Herr Frank Mayer.
Text/Foto: RRB