Plagegeister: Berlin hat um ein Vielfaches mehr Ratten als Einwohner
28. Februar 2026
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BERLINALE SHORTS-1

„Stallion Y la Bola de Cristal“, Gerard Ribera (Foto: © Archivo Guardián)

Man kann auch in einem Kurzfilm dem Publikum sehr viel mitteilen. Die Berlinale stellt das jedes Mal unter Beweis. Eine Sektion trägt daher den Namen BERLINALE SHORTS.

Bei den 76. Filmfestspielen gab es 5-Shortprogramme. Insgesamt kamen 21 Filme zur Aufführung. Bei der großen Auswahl ist selbstverständlich die Palette sehr breit. Spielfilme sind ebenso vertreten wie Animationsfilme und Dokumentarfilme. Die Spielzeit geht von 12 Minuten bis hin zu 31 Minuten. Anna Henckel-Donnersmarck ist Leiterin der Berlinale Shorts. Sie teilte mit, es „fällt auf, dass viele der Filme magische Kräfte in ihre Geschichten einfließen lassen.“


„Yawman wa walad“, Khalid Hassan (Foto: © Les Flâneurs Films, Anchor Films)

Bei den BERLINALE SHORTS-1 befanden sich 4 Kurzfilme im Programm.

Der erste Film ist der Spielfilm „Yawman wa walad“. Der englische Titel lautet „Someday a Child“. Die aus dem Libanon stammende Regisseurin Marie-Rosa Osta drehte den 27 Minuten langen Kurzfilm. Produktionsländer sind Frankreich, Rumänien und der Libanon. Ein kleiner Junge (Khalid Hassan) lebt mit seinem Onkel in einem vom Krieg zerbombten Haus im Libanon. Tagtäglich dröhnen Kampfflugzeuge über das Dorf. Eindringlich ermahnt der Onkel das Kind, nicht aufzufallen. Die Gefahr ist ansonsten zu groß, dass die Kampfpiloten den Kleinen und seinen Onkel als ein Ziel ansehen und Bomben abwerfen. Dem Jungen fällt es schwer, sich zurückzuhalten. Er besitzt übernatürliche Kräfte. Bei dieser eher unwahrscheinlichen menschlichen Eigenschaft, die in dem Kind jedoch steckt, ist Zurückhaltung für ihn ein Fremdwort.

„Yawman wa walad“, Marvin El Achkar, Tarek Esper, Khalid Hassan (Foto: © Les Flâneurs Films, Anchor Films)

Der zweite Kurzfilm in der Sektion Berlinale Shorts-1 trägt den Titel Miriam. Es handelt sich dabei um eine dokumentarische Form von 20 Minuten Dauer. Die aus Mexiko stammende Regisseurin Karla Condado ist für diesen Film verantwortlich. Der Hintergrund ist trauriger Natur und beruht auf Tatsachen. Als junges Mädchen hatte die Regisseurin erleben müssen, wie ihre Tante vom Partner ermordet worden ist. Ein Femizid, der die Familienangehörigen des Opfers sprachlos zurückgelassen hat. Mit diesem Film zu Ehren ihrer ermordeten Tante möchte Karla Condado das Schweigen auflösen. Sie hofft auch, dass die entstandenen seelischen Wunden nach Beendigung des Films für alle Beteiligten heilen werden.

Miriam (Foto: © Karla Condado, León Boltvinik)

Der dritte Kurzfilm hat eine Länge von 18 Minuten und trägt den Titel Chuuraa. Die dokumentarische Form kommt aus Großbritannien. Regisseurin ist Evgenia Arbugarva. In der tiefsten, kältesten Arktis von Sibirien steigt ein indigener Wissenschaftler in die Tiefen des auftauenden Frostbodens. Er sucht ein urzeitliches Lebewesen. Auf der Suche nach diesem urzeitlichen Lebewesen dringt der Wissenschaftler tiefer und tiefer in die mystische Unterwelt ein.

„Chuuraa“, Regisseurin Evgenia Arbugaeva (Foto: © Dina Litovsky)

Der 4. Film hat eine Länge von 19 Minuten und stammt aus Spanien. Der Titel lautet „Stallion Y la Bola de Cristal“. Der englische Titel lautet „Stallion and a Crystal Ball“. Regisseur ist Christian Aviles. In diesem Spielfilm wirken u. a. Gerard Ribera, Dudu Alves und Cristina Plazas mit. Ein Jugendlicher mixt sich einen Zaubertrank zurecht. Halluzinationen verzerren seinen Blick. Fieberträume suchen ihn auf. Der Teenager befindet sich in der Phase vom Übergang Jugendlicher zum Erwachsenen.

„Stallion Y la Bola de Cristal“, Dudu Alves (Foto: © Archivo Guardián)

Insgesamt 84 Minuten Spiellänge veranschlagen die 4 Kurzfilme. Regisseure des Genre Kurzfilm betonen immer wieder, es gibt keine „kleinen“ Filme. Hierzulande wird manches Mal die Vorsilbe kurz mit klein verwechselt. Genauso, wie ein Kleinkunstprogramm auf der Bühne nicht mit kleiner Kunst verwechselt werden sollte. Die 4 Kurzfilme in der Sektion Berlinale Shorts-1 belegen, dass Kurzfilme auch ganz große Filmkunst sind.

Text: Volker Neef

Fotos: © Les Flâneurs Films, Anchor Films; © Dina Litovsky, © Archivo Guardián; © Karla Condado, León Boltvinik