
Podcast „UNSAFE SPACES“ vorgestellt
28. Februar 2026
BERLINALE SHORTS-1
28. Februar 2026Plagegeister: Berlin hat um ein Vielfaches mehr Ratten als Einwohner
Reinhard Frede (Foto: Volker Neef)
Reinhard Frede (FDP) gehört der BVV Tempelhof-Schöneberg an. In der dortigen BVV ist der Liberale Alterspräsident.
Reinhard Frede hat sich um Plagegeister gekümmert. Er sagte: „Die Plagegeister sind immer auf Futtersuche, und sie vermehren sich wie die Karnickel. Ratten sind stark sozial veranlagt und leben daher in Gemeinschaften, sogenannten Clans, die sich schnell vergrößern. Ein Weibchen kann pro Jahr bis zu 100 Jungtiere produzieren. Mit zwei bis 4 Monaten ist der Nachwuchs schon geschlechtsreif!
Durch eine Öffnung in der aufgebrochenen Wohnungstür gelangte ein ungebetener Besucher in meine im zweiten Stock gelegene Wohnung. Für die recht großen Plagegeister stellen Treppenstufen kein ernsthaftes Hindernis dar. Auf dem Hochbett hörte ich nachts komische Geräusche. Etwas kitzelte mich an meinen Füßen. Ich wachte auf und sah eine Ratte, die an meinen Zehen geknabbert hatte. Mit große Sätzen eilte sie sodann die Holztreppe hinab. Ich lief ihr hinterher.
Sie versteckte sich hinter der Verkleidung des Heizkörpers im Wohnzimmer. Ich wollte sie weder anfassen noch wollte ich von ihr gebissen werden. Also holte ich mein Luftgewehr vom Schrank, lud es mit den Diabolo – Kügelchen und zielte auf das Tier. Mit zwei Schüssen brachte ich sie zur Strecke. Mithilfe einer Zange trug ich den zusammengekrümmten Kadaver zum Mülleimer, um ihn zu entsorgen.
Meine Kinder erzählen bis heute davon. Es gab verschiedene unliebsame Begegnungen: als junger Vater sitze ich auf einer Bank am Rande des Spielplatzes und schaue versonnen meinen Kindern beim Spielen in der Buddelkiste zu. Es ist gerade ein friedlicher Moment ohne Streit um Schaufel, Eimer und Sandförmchen. In diesem Augenblick der Ruhe huscht eine Ratte aus der Sandkiste und verschwindet zügig im Gebüsch neben der Bank. Ihre Färbung ist ebenso graubraun wie der Sand bzw. die Farbe des Erdbodens unter dem Gebüsch. Die Spielplatz – Nutzer sind ein Teil der Ursache, weil sie dort immer wieder Essensreste zurücklassen. Entweder innerhalb der Buddelkiste, weil die Kinder Kekse, Pommes und Süßigkeiten haben fallen lassen.

Brotabfälle (Foto: Volker Neef)
Mit Sandanhaftungen mag sie niemand mehr aufheben, geschweige denn essen. Die Eltern sind oft schlechte Vorbilder: sie lassen den Verpackungsmüll einfach zurück, ohne ihn ordentlich zu entsorgen. Allein die Anhaftungen von Speiseresten an der Verpackung locken die Nager an. Allerdings sind sie auch in der Lage, in Abfallkörbe hineinzukriechen, um Essbares dort herauszuholen. Die Probleme mit den Plagegeistern beschränken sich nicht auf öffentliche Spielplätze.
Wenn Speisen in der Vorratskammer zuhause oder im Keller nicht ordentlich verschlossen aufbewahrt werden, suchen die Nager mit dem feinen Näschen einen Zugang durch Kellerfenster und Abwasserrohre. Auf diesem Wege gelangen sie bis zum Toilettenbecken – insbesondere, wenn Speisereste über die Toilette entsorgt werden. Sie können mit ihren scharfen Krallen ohne Probleme die Abwasserrohre emporklettern.
Das einzige Risiko für die Ratte besteht darin, dass ihnen im vollgefressenen Zustand der Weg zurück durch das Abwasserrohr in den Keller versperrt ist. Deshalb lassen schlaue Bürger die Klobürste unter dem zugeklappten Deckel in der Toilettenschüssel stehen. An dem Geklapper der Klobürste gegen den Deckel der Kloschüssel werden sie gewarnt, bevor sie sich auf dem Becken niederlassen.
Angeblich wurde auch schon einmal ein leichtsinniger Zeitgenosse „auf dem Thron“ in den Po gebissen. Ein solches Vorkommnis ist aber eher unwahrscheinlich. Vermutlich hat er sich nur mit Schwung auf den Stiel der Toilettenbürste gesetzt.
Der damalige Abgeordnete Henner Schmidt (FDP) hatte vor Jahren schon eine Idee, wie man der Plagegeister Herr werden könnte: Für jede tote Ratte sollte der Gesundheitssenator eine Fangprämie in Höhe von 5 Euro ausloben. Eine echte Alternative zum Pfandflaschensammeln! Doch seine Anregung hat er leider nicht durchsetzen können!
Text: Reinhard Frede
Foto: Volker Neef
























