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Dr. Khalil Dindarian-Ingenieur, Dozent und Buchautor

Dr. Khalil Dindarian (Foto: Privat)

Von 1991 bis 1996 studierte Khalil Dindarian Elektrotechnik und Energietechnik an der Hochschule Trier. Als Diplom-Ingenieur schloss er erfolgreich dieses Studium ab.  

Von 2010 bis 2018 studierte er in Großbritannien an der Universität in Manchester im Bereich Management: Department of Sciences & Engineering. Das Studium beendete Khalil Dindarian mit einer Promotion (Ph.D.). Sein Forschungsschwerpunkt ist der Bereich Organisationale Fähigkeiten und Resilienz in der Hochtechnologie- und Ingenieursfertigung. Ebenso liegt sein beruflicher Schwerpunkt in der Spezialisierung auf Energieerzeugung, -übertragung und -verteilung. Wir sprachen mit dem promovierten Ingenieur, Dozenten und Buchautor.

Dr. Khalil Dindarian an der Universität Manchester (Foto: Privat)

HAUPTSTADTECHO: Wie definieren Sie Resilienz? 

Dr. Khalil Dindarian: „Resilienz ist keine Frage der Härte, sondern der Beweglichkeit. Es geht darum, unter Druck handlungsfähig zu bleiben, sich schnell anzupassen und gleichzeitig die eigene Funktionsfähigkeit aufrechtzuerhalten.“

HAUPTSTADTECHO: Ein zentrales Konzept ihres Buches ist ja dieResilienz.Sie definieren sie als die Fähigkeiteiner Organisation, Veränderungen frühzeitig wahrzunehmen, sich darauf vorzubereiten, schnell und kohärent zu reagieren und sich anschließend so anzupassen, dass man gestärkt aus einer Krise hervorgeht. Was trifft noch auf die Resilienz zu?

Dr. Khalil Dindarian: „Resilienz ist keine Härte, sondern Beweglichkeit – eine Kombination aus Vorhersehen, Struktur, Handlungskraft und Lernfähigkeit. Als Beispiel möchte ich Siemens nennen Ein Unternehmen, das seit mehr als 177 Jahren existiert und trotz Weltkriegen, technologischen Umbrüchen, Pandemien und Energiekrisen stets relevant geblieben ist. Siemens zeigt, wie eine Organisation auch nach großen Störungen so gut funktioniert wie vorher – ein Idealbild organisationaler Resilienz“.

HAUPTSTADTECHO: Was unterscheidet resiliente Organisationen von fragilen Organisationen?

Dr. Khalil Dindarian: „Resiliente Organisationen reagieren schneller, lernen schneller und treffen unter Unsicherheit bessere Entscheidungen. Sie warten nicht auf Stabilität – sie gestalten sie. Besonders hoch ist die Bedeutung von Resilienz in einer Region wie Berlin-Brandenburg, wo globale Lieferketten, politische Prozesse, Industrie und gesellschaftliche Dynamiken auf engem Raum zusammentreffen. Gestatten Sie mir bitte, dass ich das Beispiel Tesla in Grünheide erwähnen darf. Hier kam 2024 die Produktion mehrfach zum Stillstand– zunächst wegen geopolitischer Spannungen im Roten Meer, später durch einen Angriff auf die Stromversorgung und schließlich durch Aktivistenproteste. Diese Vorfälle zeigten, wie fragil moderne Industrieprozesse sind und wie wichtig es ist, Resilienz systematisch aufzubauen“.

HAUPTSTADTECHO: In welchen Bereichen erkennt man auch die Herausforderungen?

Dr. Khalil Dindarian: „Auch im Gesundheitswesen erkenne ich große Herausforderungen. Das deutsche Gesundheitssystem ist ein komplexes System mit vielen Akteuren, Zuständigkeiten und voneinander abhängigen Strukturen. Die Probleme entstehen weniger aus fehlenden Kapazitäten, sondern aus mangelnder Synchronisation. Viel wird in Silos gedacht und verbessert, ohne die Auswirkungen auf das Gesamtsystem mitzudenken. Resilienz kann hier erst entstehen, wenn man das Gesundheitswesen als zusammenhängenden Organismus versteht – zum Beispiel bei der Digitalisierung, die oft punktuell statt systemisch umgesetzt wird“.

HAUPTSTADTECHO: Sie beschäftigen sich zudem intensiv mit Entscheidungen unter Unsicherheit. Bitte teilen Sie uns dazu Details mit.

(Foto: Dr. Khalil Dindarian)

Dr. Khalil Dindarian: „Der Aspekt „Entscheidungen unter Unsicherheit“ ist ein Thema, das auch mein nächstes Buch prägt. Entscheidungen sind der Kern moderner Führung, gerade weil man in komplexen Systemen nie über vollständige Informationen verfügt. Der größte Fehler ist der Versuch, Sicherheit zu erzwingen, indem man die Welt für berechenbarer hält, als sie ist. Stattdessen muss man akzeptieren, dass Unsicherheit Teil jeder Entscheidung ist und Anpassungsfähigkeit der entscheidende Erfolgsfaktor bleibt.  

Dieser Ansatz kostet Unternehmen und Politik weniger, als viele annehmen: Bestehende Risikomanagement-Systeme können um ein Uncertainty Management ergänzt werden, ohne alles neu aufzubauen. Gerade kleinere Organisationen werden langfristig Kosten sparen, wenn sie Komplexität nicht vereinfachen, sondern richtig verstehen und steuern. Denn es kostet weniger, ein komplexes System zu beherrschen, als es falsch zu vereinfachen“.

HAUPTSTADTECHO: Wie lautet Ihr Fazit?

Dr. Khalil Dindarian: „Am Ende fasse ich meine Botschaft klar so zusammen: Unsicherheit ist kein Problem, das es zu beseitigen gilt, sondern die Bedingung der Zukunft. Die Zukunft gehört nicht denen, die alles wissen, sondern denen, die schnell lernen, flexibel bleiben und die Fähigkeit entwickeln, das Unvorhergesehene als Chance zu nutzen“.

HAUPTSTADTECHO: Vielen Dank für das Gespräch.  

Hinweis:
Das Buch „Embracing the Black Swan“ erschien 2023 bei Springer Nature.

ISBN: 978-3-031-29343-6

Springer-Link:

https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-031-29344-3

Text: Volker Neef

Fotos: Dr. Khalil Dindarian, Privat