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Gespräch mit der Leiterin der Gedenk- und Bildungsstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“

(Foto: Dr. Khalil Dindarian)

Die Gedenk- und Bildungsstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“ befindet sich „Am Großen Wannsee 56 – 58“ in 14109 Berlin-Wannsee. Frau Deborah Hartmann ist die Leiterin der Gedenk- und Bildungsstätte. Wir sprachen mit ihr.

HAUPTSTADTECHO: Was verstehen Sie konkret unter „Erinnern als Staatsräson“ – und wo sehen Sie Grenzen dieses Begriffs?

Deborah Hartmann: „Wir setzen hinter den Begriff im Titel unserer Veranstaltung aus Anlass des 84. Jahrestags der „Wannsee-Konferenz“ bewusst ein Fragezeichen. Es gibt eine weit verbreitete Erwartung oder eine Annahme, dass Gedenkstätten, die in Deutschland an die Shoah erinnern, in einem besonderen Verhältnis zu Deutschland und zu Israel stehen müssten: Das wollten wir mit unseren Gästen kritisch diskutieren. Die Art und Weise, wie wir in Deutschland an NS-Verbrechen erinnern, ist keineswegs von einem gesellschaftlichen Konsens getragen – das setzt der Annahme eines „Erinnerns als Staatsräson“ bereits eine grundlegende Einschränkung“. 

Im Tagungssaal (Foto: Dr. Khalil Dindarian)

HAUPTSTADTECHO: Warum ist diese Debatte im Gedenkstättenbereich gerade jetzt notwendig?

Deborah Hartmann: „Für Gedenkstätten in Deutschland ist es eine beständige Aufgabe, das offizielle Gedenken an den Holocaust zu reflektieren und vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen zu bewerten. Gedenkstätten sollten sich immer fragen, welche Rolle sie in diesem Gedenken einnehmen wollen. Dabei gilt es gegenwärtig, verstärkt über das Verhältnis zwischen der Shoah und Israel nachzudenken und in welcher Beziehung Erinnerungsorte in Deutschland dazu stehen wollen. Wir hoffen, dass wir mit unserer Veranstaltung die laufenden Debatten in den Erinnerungsorten intensivieren können. 

HAUPTSTADTECHO: Welche Perspektiven sollen jüdische und israelische Stimmen nach dem 7. Oktober in der deutschen Erinnerungskultur stärker bekommen?

Deborah Hartmann: „Angela Merkel hatte in ihrer Rede in der Knesset, in der sie die vielzitierte „Staatsräson“ ansprach, zum Thema der Erinnerungskultur gesagt, dass nach dem Ende der direkten Zeitzeugenschaft der Holocaust-Überlebenden kommende Generationen in Israel und Deutschland gemeinsam eine Erinnerungskultur entwickeln sollen. Das ist nicht geschehen. Es gibt in Deutschland kein wirkliches Verständnis für die Bedeutung der Shoah in der israelischen Gesellschaft – eine Dissonanz, die nach dem 7. Oktober selbst dort in erschreckender Deutlichkeit hervorgetreten ist, wo man sich schon seit vielen Jahren mit dem Nationalsozialismus und jüdischer Geschichte beschäftigt. Wichtig ist es uns daher, auch bei dieser Veranstaltung zum 84. Jahrestag, die in ihrem zweiten Teil ausschließlich israelische Gäste zu Wort kommen ließ, dass überhaupt Stimmen aus Israel Gehör finden“.

HAUPTSTADTECHO: Was soll das Publikum nach der Veranstaltung vor allem mitnehmen?

Deborah Hartmann: „Wir hoffen, dass unser Publikum mit einem neuen oder erweiterten Blick auf die Rolle der Gedenkstätten als erinnerungspolitische Akteure unsere Veranstaltung verlässt und dass sie ebenso die Erfahrungen unserer israelischen Partnerinnen und Partner wertschätzend mitnehmen. Wir haben uns mit der Puppenspielerin Shlomit Tripp zudem eine Künstlerin eingeladen, die in drei Interventionen einen nachdenklich-lustigen Blick auf das deutsch-israelische Verhältnis wirft – da hoffen wir, dass das Publikum auch etwas Freude mit nach Hause nimmt“. 

HAUPTSTADTECHO: Vielen Dank für das Gespräch.

Text/Foto: Dr. Khalil Dindarian