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Thomas Seerig: „Tausend gute Gründe, am 5. Mai auf die Straße zu gehen!“

(Foto: A. Pfuhl)

Der 05. Mai ist seit vielen Jahren der Europäische Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Darüber haben wir mit Thomas Seerig gesprochen. Er ist ehrenamtlich tätig als Vorsitzender des „Landesbeirats für Menschen mit Behinderungen Berlin“. Man kennt ihn auch als ehemaliges Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus. In der FDP-Fraktion war er seinerzeit Sprecher für Mitbürger mit Handicap.

Thomas Seerig (Foto: Volker Neef)

HAUPTSTADTECHO: Welchen Stellenwert hat hierzulande eigentlich der 05. Mai, der Europäische Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen?

Thomas Seerig: „Leider sind meist weniger Menschen auf der Straße als zum CSD. Obwohl rund eine halbe Million Berlinerinnen und Berliner eine anerkannte Schwerbehinderung haben“.

HAUPTSTADTECHO: Wie sieht der Alltag eines Mitbürgers mit Handicap aus?

Thomas Seerig: „Diese Gruppe hat täglich mit Problemen im Alltag zu kämpfen; am Arbeitsplatz, in der Schule, im Öffentlichen Nahverkehr oder bei der Suche nach einer Wohnung. Die Arbeitslosenquote ist für Menschen mit Behinderung deutlich höher als ohne. Der Öffentliche Nahverkehr ist frühestens Mitte der dreißiger Jahre barrierefrei. Berlins Schulen sind weder beim Personal noch beim Bauzustand auf Inklusion vorbereitet. In Berlin findet man schon so keine Wohnung, aber rollstuhlgerechte Wohnungen sind noch größere Mangelware.

Aber meist sind es gar nicht die großen Themen, die Menschen mit Behinderungen den Alltag schwer machen, sondern die vermeintlichen Kleinigkeiten. Gedankenlosigkeit und nicht vorsätzliche Ausgrenzung. Es ist der auf dem Bürgersteig liegende E-Scooter, über den der Blinde stürzt. Es ist der kaputte Aufzug, der Umwege bei der BVG nötig macht.

Es ist die Beerdigung, die verschoben werden muss, weil es keine Gebärdendolmetschung gibt. Es ist die vermeintlich kleine Stufe, die den Restaurantbesuch ausfallen lässt. Es ist der Zustand des Behinderten-WCs mit Sperrmüll und Lagerhaltung. Es ist das amtliche Schreiben in zu schwieriger Sprache.

Tausend gute Gründe, am 5. Mai auf die Straße zu gehen! Und an den anderen 364 Tagen des Jahres.

Und dies gilt eigentlich für alle Menschen, denn fast alle Behinderungen kommen erst im Laufe des Lebens; durch Unfall oder Krankheit oder schlicht Alter. Schon morgen kann sich das eigene Leben ändern und Barrierefreiheit ist plötzlich ein sehr persönliches Thema. Dies bedenken wohl viele Politiker in der aktuellen Spardiskussion noch zu wenig.

Wer weiß, dass „Normale „nur die Noch-Nicht-Betroffene sind, ist beim Kampf um gleichberechtigte Teilhabe mit dabei. Am 05. Mai und auch sonst“.

HAUPTSTADTECHO: Vielen Dank für das Gespräch.

Text: Volker Neef

Fotos: Volker Neef; A. Pfuhl

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