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Der Musikinstrumentenbauer aus Xiva

Sapaev Musaffar (Foto: Svetlana Reinwarth)

Unsere Redaktion hatte ja bereits mitgeteilt, dass wir momentan in Usbekistan vor Ort sind.

Am Internationalen Musikfestival in Xiva sind wir als Medienvertreter akkreditiert. Das Internationale Musikfestival in Xiva ist am 25. April eröffnet worden und endet am 30. April. Es bedarf nicht nur guter Komponisten, Texter, Musiker, Sänger, Tänzer, Dirigenten und Organisatoren, um so ein gewaltiges Kulturereignis zu stemmen. Im Vorfeld brauchen die Musiker gut funktionierende Instrumente. Dafür sind Musikinstrumentenbauer verantwortlich.

Ein bekannter Musikinstrumentenbauer befindet sich am Ort des Geschehens, in Xiva-Altstadt. Er heißt Sapaev Mussafar. Seine Werkstatt und sein Geschäft befinden sich dort, in „Itschan-Kala“, direkt gegenüber der Moschee.

Xiva (Foto: Svetlana Reinwarth)

Der 1976 geborene Diplom-Musikpädagoge Sapaev Musaffar beendete im Jahre 2000 erfolgreich sein Studium und widmete sich der Musikausbildung von Kindern und Jugendlichen. Schon damals fertigte er privat für gute Freunde in Handarbeit Streichinstrumente an. Seine Geigen, Violinen, Cellos, Bratschen, Lauten, Mandolinen, Banjos, Balalaikas, Ukulelen, Cembalos, Ouds und Zithern beeindruckten die Freunde so sehr, dass er bald für die Ausübung des studierten Berufes kaum noch Zeit hatte. Im Jahre 2008 machte er sich als Musikinstrumentenmacher in der Altstadt von Xiva selbstständig.

Sapaev Musaffar (Video: Svetlana Reinwarth)

„Das Anfertigen von Saiteninstrumenten war damals ein Hobby. Im Grunde habe ich mein Hobby zu meinem Beruf gemacht“, teilte Sapaev Musaffar mit. Von Vorteil ist für den Einzelunternehmer, er beherrscht jedes Instrument auch, dass er anfertigt. Zum Beweis spielte er einwandfrei auf der Balalaika das russische Lied „Kalinka“ und orientalische Weisen auf der aus Persien stammenden Kurzhalslaute Oud. „Einige Instrumente produziere ich und stelle sie in meinem Betrieb aus, auf Vorrat für die Kundschaft sozusagen. Es ist aber auch möglich, spezielle Wünsche zu äußern.“ Selbst Orchesterharfen, die oft eine Höhe von bis zu 195 Zentimeter aufweisen und auf ein Gewicht von rund 40 Kilogramm kommen, kann der Maestro in liebevoller Handarbeit anfertigen. „Allerdings brauche ich für eine Harfe eine Arbeitszeit von zwei Monaten.“

Der Musikinstrumentenbauer ist nicht nur Handwerker, er ist auch Kaufmann. „Der Kunde macht eine kleine Anzahlung am Anfang. Dann weiß ich, er ist interessiert. Schon nach einer Woche kann er in meine Werkstatt vorbeikommen, er sieht die Fortschritte und eine weitere Zahlung ist fällig“. So setzt sich das Spiel innerhalb der zwei Monate fort. Natürlich ist die Zahl der von ihm hergestellten Harfen noch sehr überschaubar und liegt bis heute im kleinen zweistelligen Bereich.

Da Xiwa auch einmal Bestandteil der ehemaligen Sowjetunion war, steht die aus Russland stammende Balalaika hoch im Kurs. „Hier sind es nicht nur Neuanfertigungen, die bestellt werden. Oft muss ich bei den Balalaikas etwas reparieren“.

Man kann diesem Handwerker stundenlang zuschauen beim Anfertigen seiner Musikinstrumente, so faszinierend ist bei ihm in Xiva die Produktion. Macht der Maestro einmal eine kleine Pause, greift er zu einer Gitarre oder Zither oder Bratsche und spielt einige Musikstücke. In Usbekistan ist das normaler Arbeitsalltag. Phantastisch für zuschauende und zuhörende Westeuropäer.

Der weit über die Stadtgrenzen von Xiva hinaus hochangesehene Meister teilte uns auch noch zum Abschied mit: „Jedes Musikinstrument hat eine eigene Seele. Jede Geige, jede Bratsche, jedes Cello, jedes Musikinstrument muss mit Liebe hergestellt werden vom Instrumentenbauer. Dann muss das Musikinstrument mit Liebe gespielt werden vom Musiker. So kommt der unverwechselbare Klang aus dem Instrument heraus.“

Natürlich treten Musiker aus Usbekistan im Rahmen des Internationalen Musikfestival Xiva mit Instrumenten auf, die aus der Werkstatt von Meister Sapaev Musaffar stammen.

Text: Volker Neef

Foto/Video: Svetlana Reinwarth

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