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10. Januar 2026Katharina Concu (FDP): „Kritik am Krisenmanagement während des Stromausfalls“
Katharina Concu (Foto: Ptivat)
Katharina Concu (FDP) ist Bezirksverordnete in Steglitz-Zehlendorf. Sie ist in der BVV Vorsitzende des Ausschusses für Bildung und Kultur.
Der Anschlag vom 3.1. auf die Stromversorgung in den Ortsteilen Wannsee, Nikolassee, Zehlendorf und Lichterfelde hatte den Südwesten Berlins regelrecht lahmgelegt. Wir sprachen darüber mit Katharina Concu.

HAUPTSTADTECHO: Sie sind im Bezirk Steglitz-Zehlendorf zu Hause. Am Mittwoch, den 7.1., gab es wieder Strom. Wie verliefen die besagten fünf Tage ohne Strom?
Katharina Concu: „Ja, fünf Tage nach dem Brandanschlag gab es wieder Strom. Zehntausende Haushalte in Steglitz-Zehlendorf waren in diesen fünf Tagen ohne Strom. Meine Kritik richtet sich an das Krisenmanagement“.
HAUPTSTADTECHO: Was konkret bemängeln Sie?
Katharina Concu: „Fünf Tage nach dem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz waren in Steglitz-Zehlendorf noch knapp 20.000 Haushalte ohne Strom. In zahlreichen Wohnungen funktionierten seit Samstag, den 3. Januar, weder Heizung noch Warmwasser. Aufgrund der winterlichen Temperaturen waren viele Wohnräume auf bis zu fünf Grad Celsius ausgekühlt. Für immer mehr Menschen wurde die Situation zur akuten Belastungsprobe – insbesondere für ältere, alleinlebende oder in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen“.
HAUPTSTADTECHO: Was hatten Sie persönlich als Kommunalpolitikerin unternommen?
Katharina Concu: „Den direkten Kontakt zu den Menschen habe ich aufgenommen. Ich lebe knapp außerhalb der vom Stromausfall betroffenen Gebiete und war seit dem Wochenende bis einschließlich Mittwoch regelmäßig vor Ort. In Schlachtensee, Nikolassee und Wannsee sprach ich mit Anwohnerinnen und Anwohnern, verteilte heißes Wasser und Kaffee aus Thermoskannen und informierte über Hilfsangebote des Bezirks – während Betroffene in ihren Autos oder an mitgebrachten Powerbanks ihre Handys aufluden. Viele Menschen waren bis Montag vollständig von Informationen abgeschnitten – sie wussten nichts von Katastrophenschutz-Leuchttürmen oder Notunterkünften. In Teilen des Gebiets waren Telefon- und Mobilfunknetze ausgefallen, digitale Hinweise hatten die Betroffenen schlicht nicht erreicht.
HAUPTSTADTECHO: Wo war der „Sand im Getriebe“ während des Stromausfalls?
Katharina Concu: „Die Krisenkommunikation in den betroffenen Gebieten stieß auf Unmut. Es fehlte an Flugblättern, klar sichtbaren Anlaufstellen und eindeutiger Beschilderung. Auch das Rathaus Zehlendorf war für viele Mitbürger und Mitbürgerinnen nicht unmittelbar als Leuchtturm und Notunterkunft erkennbar gewesen. Es hatte sich vor allem Mundpropaganda als funktionierender Informationskanal erwiesen. Zwar hatte das Bezirksamt begonnen, Mitarbeitende des Ordnungsamtes für Haus-zu-Haus-Begehungen einzusetzen, doch erfolgte dies spät und nur eingeschränkt. Verschlossene Haustüren und Gartentore erschwerten den Zugang zusätzlich. Gerade Menschen, die mehr als 24 Stunden ohne Strom, Heizung und Kontakt zur Außenwelt in auskühlenden Wohnungen bei Kerzenlicht ausharren mussten, hätten – wie bei Bombenentschärfungen üblich – bereits am Wochenende persönlich von Polizei, Feuerwehr, THW oder Bezirksmitarbeitenden aufgesucht werden müssen. Ich machte mir besonders Sorgen um ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen in den betroffenen Gebieten. Diese Menschen hätte man erreichen müssen – und ihnen angesichts der niedrigen Temperaturen schnell ein sicheres Ausweichquartier anbieten sollen.“

HAUPTSTADTECHO: Dann mal „Butter bei die Fische“ bitte. Wenn Sie jetzt, wo der Strom wieder im Fluss ist, zurückblicken, was kommt Ihnen da in den Sinn?
Katharina Concu: „Ein ernüchterndes Fazit ziehe ich auch mit Blick auf die politische Verantwortung! Im Italienischen sagt man Tra il dire e il fare c’è in mezzo il mare – zwischen Reden und Handeln liegt ein himmelweiter Unterschied. Dieses Sprichwort beschreibt die politische Reaktion auf diese Krise leider sehr treffend. Es reichte nicht aus, dass der Regierende Bürgermeister Kai Wegner telefonisch koordinierte und warme Worte formulierte. Wer Verantwortung trägt, muss sich selbst ein Bild vor Ort machen, die Menschen im Krisengebiet aufsuchen, mit ihnen sprechen und erklären, was passiert und welche konkrete Hilfe zur Verfügung steht. Während staatliche Strukturen nur verzögert griffen, konnten sich viele Betroffene vor allem auf ihre Nachbarschaft verlassen. Dieser Zusammenhalt hat mich tief beeindruckt und macht Mut. Als Liberale erwarte ich keinen allumsorgenden Staat, wohl aber Transparenz, Effizienz und funktionierende Strukturen. Hier wird es viel aufzuarbeiten geben, damit sich derartige Versäumnisse nicht wiederholen.“
HAUPTSTADTECHO: Vielen Dank für das Gespräch.
Text: Volker Neef
Fotos: Privat; Frank Pfuhl
























