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Achtung Berlin filmfest feiert LUISA

Hauptdarstellerin Celina Scharff mit ihrem ersten Filmpreis / Foto: Norbert Hingst

Celina Scharff erhält new berlin film award für BESTES SCHAUSPIEL

Anna-Leena Rieger BESTES KOSTÜMBLID und der Debütfilm Bestes Drehbuch & Beste Produktion– seit Donnerstag, s. 23.04., nur im Kino

Die Schauspielerin Celina Scharff wurde mit dem new berlin film award für BESTES SCHAUSPIEL für ihre außergewöhnliche Performance in Julia Roeslers Debütfilm LUISA auf dem 22. achtung berlin filmfest ausgezeichnet. Damit schreibt sie Filmgeschichte und ist auch ein Vorbild.

Die Jurybegründung: Die Schauspielerin spielt eine junge Frau, die in einer Wohngruppe für Menschen mit Behinderungen einen sexuellen Übergriff erlebt. Wie sie die Kraft, die Fröhlichkeit, die Neugierde, die Lebensfreude in wenigen Szenen zu Beginn des Filmes zeigt und uns dann mitnimmt in ihr Nicht-Begreifen, Nicht-Fassen, Nicht-Bewerten-können was ihr passiert, wie sie herausfällt aus ihrem Leben, aber wieder zurückfindet zu ihrer Selbstbestimmtheit und sich in ihr Leben zurück kämpft, ist unglaublich stark und berührend, voller Tiefe, Ehrlichkeit, Direktheit und Präzision gespielt.

Celina Scharff als LUISA (Foto: RealFiction)

LUISA konnte drei weitere new berlin film awards für ihren Spielfilm einsammeln: Bestes Drehbuch ging an die Autorinnen Silke Merzhäuser und Julia Roesler, die Produzenten des Films um Andrea Ufer und Gunter Hanfgarn (Hanfgarn & Ufer) sowie Silke Merzhäuser, Julia Roesler und Insa Rudolph (werkgruppe2) sowie ZDF – Das kleine Fernsehspiel erhielten den new berlin film award für die Beste Produktion und Anna-Leena Rieger für das Beste Kostümbild. Die Preise sind dotiert.

Damit hat der Debütfilm von Julia Roesler bislang insgesamt elf Preise erhalten, darunter den „Förderpreis Neues Deutsches Kino“ des Filmfest Bremen, den Hauptpreis „Tilda“ auf dem 39. Braunschweig International Film Festival (BIFF), den begehrten Publikumspreis der „Ahrenshooper Filmnächten“ sowie auf dem Mumba International Film Festival, Pune (Indien) den Preis „Best Feature Film“.

LUISA ist am Donnerstag, den 23. April 2026 im Verleih von Real Fiction bundesweit gestartet.

Bestes Drehbuch an Julia Roesler und Silke Merzhäuser für LUISA

Julia Roesler (Foto: Realfiction)

Die Begründung der Jury: Das Drehbuch und der darauf basierende Film rücken ein gesellschaftlich verdrängtes Thema ins Zentrum: Sechzig Prozent der Frauen mit Behinderung erleben, wie die Protagonistin, mindestens einmal in ihrem Leben sexualisierte Gewalt. Auf Grundlage intensiver Recherche machen die Drehbuchautorinnen diesen blinden Fleck sichtbar, ohne in plakative Thesenhaftigkeit zu verfallen.

Es ist eine Geschichte, die emotionalisiert, Spannung aufbaut und mit authentischer Komik sowie Leichtigkeit eine Welt erschafft, die weit über die Verhandlung des Themas hinausgeht. Das Drehbuch verbindet improvisatorische Freiräume für die Darsteller:innen mit einer differenzierten und präzisen Dramaturgie, durch welche die der Thematik inhärenten Konflikte und Ambivalenzen herausgearbeitet werden. Das gelingt insbesondere durch die differenzierte Führung der Protagonistin. Ihre Perspektive trägt die Handlung, wodurch eine Objektivierung ausgeschlossen wird. Stattdessen zeichnen die Autorinnen ihre schmerzhafte Suche nach einer emotionalen Einordnung des Erlebten und einer Haltung dazu mit großer Sensibilität für die Figur nach.

Ausgelöst durch den sexuellen Übergriff vollzieht die Protagonistin im Verlauf der Handlung eine Entwicklung, die in ihrer Selbstermächtigung mündet. Dabei wird ihre Beeinträchtigung mit Empathie und Respekt betrachtet, ohne die impliziten Konflikte für sie und ihre Umwelt zu nivellieren. Die Perspektive der Protagonistin wird durch ein vielfältiges Ensemble von Nebenfiguren erweitert. Freund, Eltern, Mitbewohner:innen, Pfleger:innen und eine Kommissarin ringen jeweils aus ihrem Blickwinkel um einen angemessenen Umgang mit dem Geschehen. Dabei sucht und beleuchtet das Drehbuch immer wieder gezielt die Grenze zwischen pflegerisch notwendiger Nähe, liebevollem Umgang und missbräuchlichem Übergriff.  Konfrontiert nicht nur mit der ungewollten Schwangerschaft der Protagonistin, sondern auch mit ihrem eigenwilligen Schweigen, werden die Nebenfiguren außerdem in ein Spannungsverhältnis zwischen Fürsorge und Bevormundung versetzt. Ein Dilemma, dass erst durch Luisas  zunehmende Selbstbestimmung entschärft wird. Das dramaturgische Oszillieren des Drehbuchs zwischen Innen- und Außenperspektive bindet auch die Lesenden aktiv in diesen Diskurs ein und fordert zur eigenen Positionierung heraus. Dieses Drehbuch plädiert damit nicht nur für Inklusion – es vollzieht sie.

Der Preis für Beste Produktion für Andrea Ufer, Gunter Hanfgarn (Hanfgarn & Ufer), Silke Merzhäuser, Julia Roesler und Insa Rudolph (werkgruppe2) und ZDF – Das kleine Fernsehspiel für LUISA

Die Begründung der Jury: Mit dem Preis für die beste Produktion zeichnen wir einen Film aus, der leise daherkommt. Ein Film, der keine großen Effekte braucht, der nichts zur Schau stellt – und gerade darin seine Kraft entfaltet. Dieser Film beweist Mut, Risikobereitschaft und vor allem eine große Offenheit in seiner Arbeitsweise. Die präzise entwickelte Geschichte wird mit großer Behutsamkeit inszeniert. Der Film nimmt sich Zeit für seine Figuren, lässt ihnen Raum. Er beobachtet, ohne zu bewerten, und schafft dadurch eine Nähe, die selten ist. So entsteht ein Werk, das nicht laut sein muss, um nachhaltig zu wirken, weil es Vertrauen in seine Figuren und das Publikum hat. Der Cast, der überwiegend aus Menschen mit Behinderung besteht, ist dabei keine Besonderheit, die hervorgehoben werden muss, sondern ein selbstverständlicher Teil dieses Films. Für diese klare Haltung und diese sensible, konsequente Umsetzung zeichnen wir Andrea Ufer, Gunter Hanfgarn, Silke Merzhäuser, Julia Roesler und Insa Rudolph für ihren Film LUISA aus.

Beste Kostümbild an Anna-Leena Rieger für den Film LUISA

Die Begründung der Jury: Bei unserem Gewinner haben wir viel Schönheit im Unscheinbaren gesehen: Jeansnähte und Strassbuchstaben auf Hoodies. Eine gelbe Cangoo Mütze hat für uns aus dem Boyfriend von Gisela eine Person mit eigenen Träumen und Sehnsüchten gemacht. Für uns ist ein Kostümbild auszeichnungswürdig, das nicht nur ein Drehbuch illustriert, sondern dem Film eine weitere Ebene hinzufügt. Wir haben durch die Kostümentscheidungen Individuen gesehen, die über ihre Handlungsstränge hinaus zu uns gesprochen haben. Die besondere Qualität des Kostümbildes lag für uns darin, dass es uns auch emotional berührt hat.

 Zum Film:

Luisa lebt in einer Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderungen. Sie ist 22 Jahre alt und neugierig auf das Leben. Unbemerkt wird Luisa immer stiller, der Alltag in der Wohngruppe geht weiter, bis unerwartet festgestellt wird, dass Luisa schwanger ist. Sie erzählt niemandem, was passiert ist, sie schweigt. Sexueller Missbrauch wird vermutet. Die Nachforschungen werden zur Belastungsprobe für Luisa, ihre Beziehung zu ihrem Freund Anton und für das gesamte Personal der Wohneinrichtung.

Der Debütfilm – mit einem professionellem Cast aus zehn Schauspieler*innen mit und zehn Schauspieler*innen ohne Behinderung  – entstand 2024 als Koproduktion von werkgruppe2 Filmproduktion, Hanfgarn & Ufer und dem ZDF-Das kleine Fernsehspiel, gefördert von Nordmedia, BKM, DFFF, ausgezeichnet mit dem 20. Bremer Dokumentarfilm Förderpreis.

Hintergrund:

LUISA wurde mit einem professionellem Cast aus zehn Schauspieler*innen mit und zehn Schauspieler*innen ohne Behinderung realisiert – das hat es so mindestens in Deutschland noch nicht gegeben.

Das Drehbuch wurde von Silke Merzhäuser und Julia Roesler auf Basis einer monatelangen Recherche in Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderung geschrieben. Neben der individuell bewegenden Geschichte der jungen Bewohnerin LUISA zeigt es auch die Strukturen, die die extrem hohen Fallzahlen von Missbrauch an Frauen mit Behinderung ermöglichen.

In der Drehbuchentwicklung wurde mit dem inklusiven Ensemble MEINE DAMEN UND HERREN aus Hamburg zusammengearbeitet, von denen auch einige Schauspieler*innen zum Cast gehören. Gemeinsam wurden die Figuren so weiterentwickelt, dass sie sowohl in Bezug auf die eigene inhaltlich-künstlerische Vorstellung als auch in Hinblick auf vorhandene Barrieren für die Schauspieler*innen spielbar wurden. Während des Drehs wurden sowohl geskriptete, als auch improvisierte Szenen gefilmt.

Einfühlsam und respektvoll kreist die Erzählung um Luisa und ihre Auseinandersetzung mit den Grenzverletzungen, die ihr zustoßen. Celina Scharff als Luisa schafft es in ihrer ersten großen Rolle, den vielschichtigen Charakter mit beunruhigend starker Intensität zu verkörpern und zum mitreißenden Kraftzentrum des Films zu werden, fokussiert, fragend, fordernd, entschlossen, eigensinnig. Parallel wird die häufig verborgene Lebenswelt von Menschen mit Behinderung in jener machtvollen Institution gezeigt, die sie beschützen soll, aber zugleich bedrohlich für ihre körperliche Integrität und selbstbestimmtes Leben ist. Grandios fotografiert von Frank Amann, immer auf Augenhöhe mit denen, die im Mittelpunkt der Erzählung stehen. Der extrem feingliedrige Score und die hochemotionalen Songs von Komponistin Insa Rudolph erzeugen eine zunehmende Beklemmung, die die Zuschauenden eng an die Darsteller*innen und ihre komplexen Entscheidungen bindet.

CAST

Mit: Celina Scharff als LUISA und Trixi Strobel, Katharina Bromka, Michael Schumacher, Melanie Lux, Josefine Großkinsky, Noa Michalski, Matthias Zalachowski, Lina Strothmann, Dennis Seidel, Martin Schnippa, Hadi Khanjanpour, Tim Porath, Gina Calinoiu, Bernd Hölscher, Sarah Hostettler, Alrun Hofert, Tom Scherer, Mathias Max Herrmann, Eva Löbau und Peter Lohmeyer

REGIE – Julia Roesler

DREHBUCH – Silke Merzhäuser & Julia Roesler

BILDGESTALTUNG – Frank Amann (bvk)

MONTAGE – Anne Jünemann (fbs)

MUSIK – Insa Rudolph

OBERBELEUCHTER- Jan Zscheile

SZENENBILD – Thomas Rump

SOUNDDESIGN/MISCHUNG – Sebastian Tesch & Ansgar Frerich

FACHBERATUNG INKLUSIVE FILMPRODUKTION – Sophie Arlt

REDAKTION – Lucia Haslauer (ZDF)

PRODUZENT*INNEN – Andrea Ufer, Silke Merzhäuser, Gunter Hanfgarn, Julia Roesler, Insa Rudolph

Verleih – RealFiction

Weltvertrieb – Visionärfilms

Text: Felix Neunzerling

Fotos: Norbert Hingst; RealFiction

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