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30. April 2026Die 80. Ruhrfestspiele beginnen
Ruhrfestspielhaus (Foto: Svetlana Reinwarth)
Die 80. Ruhrfestspiele beginnen
In Recklinghausen werden am 1. Mai die 80. Ruhrfestspiele eröffnet. Sie enden in diesem Jahr am 13. Juni.
1946/47 kamen frierende Schauspieler aus Hamburg ins Ruhrgebiet und bettelten um Kohle für ihre Theater und Opernhäuser. Die angesprochenen Bergleute in Recklinghausen erwiesen sich auch als Kaufleute und fragten die norddeutschen Künstler, was sie denn anzubieten hätten für die Kohle. Begehrt waren Tabakwaren, Speck, Eier, Winterkleidung. Die Kulturschaffenden konnten nur antworten, außer der Kleidung am Leibe habe man gar nichts. Die Männer aus dem Ruhrgebiet waren hilfsbereit und gaben die Kohlen den Hanseaten ab unter der Bedingung, diese gegen „Kunst“ einzutauschen. „Ihr seid Schauspieler, Pantomimen, Opernsänger, also tretet ihr für uns kostenlos hier auf und ihr könnt Kohle mitnehmen“, so ein Sprecher der Bergleute. Die Künstler gingen bereitwillig auf den Vorschlag ein und so spielten 150 Darsteller für die Kohlenlieferanten und deren Familienangehörige. Was nur einen Winter andauern sollte, wurde auf 2 Jahre ausgedehnt und dann stellen beide Seiten verblüfft fest, aus dem Handel „Kunst gegen Kohle – Kohle gegen Kunst“ wurde eine Freundschaft.

Im Ruhrgebiet halten die Veranstalter die Eintrittspreise bis heute bewusst im untersten Segment, um Arbeitern den Besuch der Ruhrfestspiele zu ermöglichen. Heutzutage sind die Stadt Recklinghausen und der Deutsche Gewerkschaftsbund zu je 50 Prozent gleichberechtigte Partner und Ausrichter dieses international hoch angesehenen Theaterfestivals. Der Hamburger Bürgermeister Max Brauer (SPD), der von 1887 bis 1973 lebte, kam aus Dankbarkeit für die Unterstützung der Künstler aus seiner Stadt zur 1. Aufführung der Ruhrfestspiele und sprach von „Festspielen im Kohlenpott vor den Kumpels. Ja, Festspielen statt in Salzburg in Recklinghausen“.
Hier sei angemerkt, dem Bürgermeister hatten die Bergleute gestattet, sie mit Kumpel anzureden. Der Bergmann Karl beispielsweise redet den Bergmann Gustav mit „Kumpel Gustav“ an, dieser antwortet mit „Kumpel Karl“, bis heute verwehren sich die auf Tradition bedachten Bergleute dagegen, wenn Außenstehende sie auch mit Kumpel anreden. Max Brauer wurde dieses Privileg gestattet. Der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Prof. Theodor Heuss, der von 1949 bis 1959 im Amt war, fand den Gedanken, Theater nicht nur in Universitätsstädten und Beamtenhochburgen sowie Kaufmannsstädten zu spielen für sehr gelungen und war Gründungsmitglied des Vereins „Freunde der Ruhrfestspiele.“
Text: Volker Neef
Fotos: Svetlana Reinwarth ,Volker Neef























